Heute mußte Rinke einen Zug Reservisten von der Köln-Mindener Bahn abholen. Und auch Frau Trina war, kaum daß er die Kaserne verlassen, entschlüpft, um spornstreichs auf die Straße zu eilen; galt es doch, ihren schönen Wilhelm zu bewundern, der zur Ehre auserwählt war in der Mitte des Fastnachtzuges als Prinz Karneval auf rosenbekränztem, goldenem Thron, im vierspännigen Schimmelwagen zu fahren.

Als Rinke an der Spitze seiner Reservisten vom Bahnhof zurückkehrte, stieß er, unweit des Lattenthores auf den Karnevalszug. Schon war er verdrießlich: Kerle hatten ja gar keine Haltung mehr, trotteten, ihre Bündel am Stecken, der eine so, der andre so, nicht mal Schritt am Leibe! Und nun kamen noch die Gecken! Nahmen die ganze Breite der Straße ein – Donnerwetter, die würden doch passieren lassen?! I wo, Bande! Mit Musik und Gejohle zogen sie ungeniert ihres Wegs.

Der Feldwebel mußte seinen Zug halten lassen. Er wendete seine Augen ab – wer mochte wohl solchen Unsinn ansehen? Aber die Reservisten grinsten; jetzt brachen sie in ein wieherndes Gelächter aus.

»Helau, die Dotzmühl! Vivat die Dotzmühl! Helau, helau!« rief das Volk.

Der Wagen des Karnevalvereins ›Dotzmühl‹ passierte. Er stellte eine ungeheure Kaffeemühle vor: oben wurden die Weiber hineingestopft, weißhaarig und bucklig, unten kamen sie wieder heraus, blondhaarig und schlank, schlugen Purzelbäume und warfen Kußhände in’s Publikum.

Aber nun – ein grelles Aufjohlen, ein furchtbarer Knall – Hanswurst hatte eine Riesenbombe oben in die Mühle geworfen, unten flatterte ein ellenlanger Zettel heraus und blähte sich im Winde:

Zwischen Mir und Mein Volk soll sich kein Blatt Papier drängen!

»Helau, helau!«

Das war ein ohrenbetäubendes Freudengeschrei, ein unaufhörliches Gelächter; es pflanzte sich fort von vorn nach hinten, von links nach rechts, von groß zu klein.

Der Feldwebel rollte die Augen, der Atem verging ihm fast – ha, die Proklamation Seiner Majestät!! Die Proklamation, die Proklamation –!