»Weggetreten,« kommandierte der Feldwebel; auseinander stoben die Kerle. Lässig, mit müden Beinen stolperten sie dann zur Reissuppe mit Kohl. –

In der Feldwebelwohnung war schlecht Wetter, echte Aschermittwochstimmung.

Frau Trina trug ein, noch immer nicht ganz verwischtes, Aschenkreuz auf der Stirn, das sie sich heute morgen, nüchternen Magens, noch vor der Frühsuppe, in Lambertus geholt, gerade als die letzten Gecken am Calvarienberg hinter der Kirche vorbei durch’s Morgengrau nach Haus taumelten. Der Feldwebel sah’s mit Zorn.

»Kannste dich nich waschen?! Muß der Dreck den ganzen Tag kleben?!« fuhr er sie an.

Sie wischte zum Schein. »Et jeht nit ab!«

Da nahm er sein Sacktuch, spuckte drauf und rieb ihr damit unsanft über die Stirn. »So.«

Das Essen schmeckte ihm nicht – warum gab’s denn heute überhaupt so ein labbriges Fastengericht, nach dem einem der Magen schon um zwei Uhr wieder lang hing?! Was ging ihn der Aschermittwoch an?! Und noch dazu waren die Nudeln nicht einmal gar! Als er um zwölf Uhr hungrig heraufgekommen war und nach alter Gewohnheit zuerst in die Küche geguckt, hatte er Josefine nicht darin gefunden; das Wasser strudelte zwar aus dem Herd und floß zischend über, aber die Nudeln lagen noch trocken auf dem Tisch. Und als er nach ihr gerufen, war sie hastig den Gang heruntergekommen, hochrot, mit verwirrtem Haar. Sie entschuldigte sich: der Leutnant sei erkältet und habe um einen Thee bitten lassen, den habe sie ihm eben rasch selber hingebracht.

Warum war sie so verlegen gewesen, hatte so unnütz viel Worte gemacht, hatte ihm nicht in die Augen gesehen, wie sich’s gehörte, sondern scheu zur Seite geblickt?! Donnerwetter, was hatte sie bei dem Leutnant zu suchen?!

Jetzt beim Mittagessen nahm der Vater die Tochter scharf auf’s Korn. Sie aß nicht; er sah es wohl, wie sie heimlich dem jüngsten Bruder noch ihr Teil zuschob. Ganz benommen guckte sie vor sich hin mit einem verträumten Lächeln. An was, an wen dachte sie?! Rinke empfand es plötzlich wie einen Schmerz – da war was zwischen ihm und seiner Josefine.

»Na!« Früher hatte sie immer gleich seinen Blick bemerkt, jetzt mußte er erst die Faust vor sie hinlegen. »He, Josefine!«