»Freiheit, die ich meine,
Die mein Herz erfüllt!«
Weithin dröhnten die kräftigen Stimmen der St. Sebastian-Schützenbrüder.
Der Feldwebel blieb an der jenseitigen Häuserreihe stehen – was, waren sie jetzt schon alle betrunken?! Es schien so. Sie jubelten laut, sie schlugen sich auf die Schultern, sie schüttelten sich die Hände, sie sanken sich in die Arme, sie küßten sich – Männer küßten sich! Buben, kaum drei Käse hoch, wurden in die Höhe gehoben, jubelnd haschten sie nach dem schwarz-rot-goldenen Zipfel. Klatschend trieb der Wind die Fahne gegen Mauer und Fenster; jetzt breitete sie sich aus und spannte sich über die Gasse wie ein straffes Tuch in leuchtenden Farben.
Schwarz-rot-gold – hm! Kopfschüttelnd ging Rinke weiter; aber erneuter Gesang schallte hinter ihm drein und verfolgte ihn bis zum Ende der Gasse, noch weiter:
»Deutschland, Deutschland über alles!«
Trotzig stieg es in ihm auf – schwarz-rot-gold, was sollte das?! Es gab nur eine Fahne:
›Ich bin ein Preuße, kennt ihr meine Farben?
Die Fahne weht mir schwarz und weiß voran!‹
Schwarz-weiß! Ein ungeheurer Stolz schwoll in ihm. Aufgereckt, kerzengerade stieg der Preuße über die Straße; ein paar Knaben lachten hinter ihm her. So kam er im ›Bunten Vogel‹ an.