Seine Frau und seine Söhne fand er dort. Josefine nicht.
»Och Jott, Rinke, du has auch immer jett,« sagte Frau Trina auf sein hastiges Fragen nach der Tochter. Ordentlich mitleidig sah sie ihren Mann an. »Wat du der immer für Sorg’ machst, rein um jar nix! Wenn mer so is, kann mer ja sein Leben nit froh werden. Wo soll dat Fina dann hin sein? Et is doch kein klein Stümpken meh, dat verloren jeht!«
Rinkes erstes Gefühl war gewesen, wieder nach Hause zu eilen und dort auf die Tochter zu warten; nun blieb er doch hier. Wenn er nun allein zu Hause blieb mit seinen Gedanken?! Ihm grauste davor. Mechanisch streifte er die Handschuhe herunter und schnallte das Seitengewehr ab.
Frau Trina hatte ihn neben sich auf die Bank gezogen, sie freute sich, daß er endlich wieder einmal mit ihr hier saß. Nun zwinkerte sie vergnügt ihrem Ältesten zu:
»Du, Willem, bring dem Pappa jett zu drinken!« Der Sohn that’s, aber dann drückte er sich zur Thür hinaus, die Großmutter mußte selber aufstehen und dem Schwiegersohn das Bierglas neu füllen.
Heute waren keine Gäste im ›Bunten Vogel‹, alles hockte beim Prehl auf dem Hunsrück. Eine große Behaglichkeit lag über der halbdunklen, altmodischen Wirtsstube. Das ewige Lämpchen unter’m Marienbild glimmte mild mit rötlichem Schein; friedlich still war’s draußen auf der Straße, kein Hund bellte, kein Fußtritt hallte.
Stiller wurde es auch in des Feldwebels Seele.
Frau Trina hatte ihre Hand in die seine geschoben; das war lange nicht geschehen. Auch das freundliche Gesicht der alten Frau, gegenüber am Tisch, that ihm wohl. Nachtragend war die nicht, das mußte man ihr lassen, und der alte Peter Zillges auch nicht, der lächelte in einem fort, kindisch zufrieden.
Ein Gespräch wollte aber trotzdem nicht in Fluß kommen; man begnügte sich, nur einander freundlich anzusehen. Langsam sank die Dunkelheit.
Da krachte auf einmal ein Schuß auf der Straße, die Frauen stießen ein erschrockenes: ›Jesus Maria!‹ aus. Die Knaben wollten neugierig zur Thür stürzen, ein barsches: ›Halt!‹ des Vaters rief sie zurück. Der Feldwebel war auch aufgesprungen und horchte, den Kopf vorgeneigt.