Schnakenbergs Hendrich kam jetzt die Straße entlang. Der war auch bei den Schützen, eine Preismedaille trug er auf der Brust. Es gab Frau Trina einen leichten Stich durch’s Herz – ach, wie schön müßte es sein, am Arm eines solchen Preisschützen alles gucken zu gehen!

»Pst – Sie – ’n Abend, Herr Schnakenberg!«

Der Hendrich war doch immer noch galant; trotzdem alles vorwärts drängte, blieb er einen Augenblick bei ihr stehen. »Kuck ens an, dat Tring!«

»Och, sagen Se doch, wat wird dann jefeiert?«

»Och, de König in Berlin – no, wissen Se – de König, de hat en Amnestie erlassen. Freiheiten soll de jejeben haben. Vor en Stund’ is de Nachricht jekommen. ’schwind, Madam Rinke, ’schwind, nu jiebt et wat zu kucken! Mir bringen ene Fackelzug nao’m ›Jägerhof‹ – adjüs! De Prinz Friedrich, de Protektor vom Verein, de soll leben! Hoch de Prinz Friedrich! Hoch de San Sebastian-Schützenverein! Hoch de König! Hoch die Freiheit! Hoch dat janze königliche Haus – hoch!«

Und ›hoch‹ schrie’s nach, hundertfach. ›Nao’m Jägerhof, nao’m Jägerhof!‹

Das Durcheinander entwirrte sich schnell; zu zweien und dreien reihten sich die Schützen – Fackelträger rechts und links – voran die schwarz-rot-goldne Fahne. Wohlgeordnet, mit Musik und Gesang, setzte sich ein Zug in Bewegung. Und immer noch schlossen sich Bürger an, auch Frauen und Mädchen und Kinder liefen nebenher, immer mit im Schritt, und mischten ihre hellen Stimmen in den Chor der Männer:

›Was ist des Deutschen Vaterland?!‹ –

Mächtig dröhnte es durch die Nacht.

Nun hielt es Frau Trina nicht mehr aus – ihre Söhne waren schon längst auf und davon – sie stürzte in die Stube zurück: »Rinke, ich jeh’ ens kucken!«