Der Feldwebel stand am Fenster, beide Hände auf’s Fensterbrett gestützt, und starrte hinaus. Als seine Frau rief, sah er sich nicht um. Das mächtige ›O nein, o nein, o nein, o nein – sein Vaterland muß größer sein,‹ das draußen noch immer anschwoll, verschlang jeden andern Laut.

»Rinke, Rinke!« Trina stieß ihn an.

Da fuhr er herum. »Was willste?«

»Kucken jehn! Komm doch auch mit! ’schwind, lassen mir jehn!«

»Ja,« sagte er hart, nahm sein Seitengewehr vom Haken an der Wand und zog den Gurt mit einem Ruck straff zu.

»Mutter,« rief der alte Zillges von der Ofenbank her. Der Fackelschein, das Knallen, das Laufen draußen hatte ihn anscheinend gar nicht berührt, still hatte er dagesessen und die Daumen umeinander gedreht; nun hörte er den brausenden Chor. Aushorchend legte er die Hand hinter’s Ohr: »Mutter, wat singen se da?«

Seine Alte trat zu ihm; den Arm um seine Schultern legend, schrie sie ihm in’s Ohr: »Dat Lied von Deutschland!«

»Von Deutschland – Deutschland –?!«

»Eja. Wat es des Deutschen Vaterland?! Dat neue Lied!«

»Deutschland – Vaterland?!« grämelte der Greis. »Mir sin Düsseldorf Börjer!«