Der Feldwebel hatte es gehört; kurz sah er nach Bürger Zillges hin, seine Mundwinkel zogen sich dabei in einem verächtlichen Lächeln herab: der alte, eingefleischte, rheinische Dickkopf!
Dann folgte er seiner Frau zur Thür, strammen Schrittes. Seine Stiefel knarrten, sein Rock warf keine Falte – Brust heraus, jeder Zoll ein Preuße.
Die Straßen waren hell, in allen Fenstern brannten Lichter; wer nicht genug Leuchter hatte, stellte seine Kerzchen in ausgehöhlte Kartoffeln. Auch Öllampen halfen aus. Alle Hausthüren waren geöffnet, alle Gesichter glänzten froh. Der scharfe Märzwind hatte sich mit dem Abend gelegt, leichte Lüfte nur wehten vom Rhein und spielten um die schwarz-rot-goldene Fahne.
Im Hofgarten reckten die Bäume ihre Knospen in’s Fackellicht, und der stille Weiher spiegelte den Glanz wider. Feuchtwarmer Hauch strich säuselnd um erstes junges Gras. Der Winter war vorbei, Träume wachten auf, die noch geschlafen; hoch in den Wipfeln rauschte es von: Frühling, Frühling!
XV
Wie ein wüster Traum erschien dem Feldwebel die vergangene Nacht. War’s denn Wahrheit, die schwarz-rot-goldene Fahne wehte wirklich vom Rathaus, auch im hellen Licht des neuen Tages?! Die Verrückten!
Aber einen stillen Triumph hatte er: Der königliche Prinz im Jägerhof hatte ihren Fackelzug abgelehnt. Er war nicht auf dem Balkon erschienen trotz all der Rufe: ›Es lebe Prinz Friedrich.‹ ›Es lebe der König!‹ Trotz aller Gesänge waren die Fenster dunkel geblieben, das Schloß schien ausgestorben, einzig ein paar Lakaiengesichter hatten sich scheu hinter den Scheiben des Parterregeschosses gezeigt. Das enttäuschte Volk hatte lange geharrt, zuerst geduldig; aber dann, frech wie sie waren, hatten einige geknurrt, andere sogar gepfiffen. Das Blut war Rinke heiß zu Kopf gestiegen.
Da war ihm eiskalt geworden.
Ein Mädchen war vorübergegangen, ein blondes Mädchen, am Arm eines schlanken Herrn. War das nicht Josefine –?! Ja, und das war der Leutnant, trotz des Civils! Ja, sie waren es, und wenn sie sich auch noch so vorsichtig im Schatten hielten! Auf den Prellstein an der Jägerhofstraßenecke war Josefine neugierig geklettert, lachend hatte sie sich auf ihres Begleiters Schulter gestützt; dann hatte der sie herabgehoben, und in zärtlichem Aneinanderschmiegen waren sie wieder untergetaucht zwischen einsamen Büschen des Hofgartens. – – –
Nun sollte sie ihm aber her heute morgen!