»Er dich auch?«
»Ja, och ja!«
Rinke holte tief Atem, es lag ihm allerlei auf der Seele – eine große Angst – aber er fragte nur noch: »Hat er dich oft bestellt?«
Sie nickte. Einen Augenblick zögerte sie, aber dann setzte sie ganz von selbst hinzu: »Spazieren jejangen sind wir abends, und dann –« hier wurde ihre Stimme leiser, sie flüsterte, alle Furcht vergessend, in einer glückseligen Erinnerung – »ich bin auch als mal auf seiner Stub’ jewesen.« Sie seufzte tief auf und strich sich mit beiden Händen das Haar aus dem Gesicht. »Nu weißte alles!«
Alles? – War das auch wirklich alles – alles?! Des Feldwebels Blick blieb auf der Tochter haften, als wolle er in ihrer Seele lesen. Sie hielt den Blick aus.
Halb kühn, halb bang, wartete sie, – was würde er sagen, was thun?! Jetzt hob er die Hand – unwillkürlich kniff sie die Augen zu – jetzt – jetzt würde der Schlag fallen –
»Setz dich,« sagte der Vater.
Erstaunt öffnete sie die Augen weit, seine Stimme klang ja weich.
Ein flüchtiger Sonnenschein war über Rinkes Gesicht geglitten, ruhiger nahm er am Tisch Platz. Gottlob, noch war nichts verloren, es konnte noch alles gut werden! Und rasch flogen seine Gedanken zu Conradi hin. Er atmete tief auf, wie von einer Last befreit, aber dann trommelte er energisch auf die Tischplatte.
»Nu machste aber ’n Ende! So weit, aber nich weiter, hörst du?! Ich mache dir keinen Vorwurf, wirst dir das Nötige wohl alleine sagen können, alt genug biste dazu. Jetzt heißt es: ›Ganzes Bataillon – kehrt!‹«