Sie ließ den Kopf hängen.
Er sprach weiter, scheinbar ohne die Thränen zu bemerken, die über ihre Wangen strömten. Lange redete er auf sie ein, ohne Zorn, ohne Härte – Donnerwetter, konnte er es dem Mädel denn verdenken, daß es in den Clermont verschossen war?! Schneidiger Junge! Und ein Mann von Ehre war’s nebenbei auch noch. Ja, ein echter Offizier, nicht nur adlig von Geburt! Rinke fühlte sich ganz beruhigt – nein, da war nichts passiert!
»Heule man nich, Josefine,« sagte er zuletzt und strich der Tochter leicht über das Haar. »Danke Gott, bei ’nem andern hättste böse ankommen können. Und nu, Kopf oben! So was vergißt sich, wenn man Mumm hat, und den haste ja. Heirate ’nen braven Mann. Der Conradi wird dich schon glücklich machen!«
Sie zuckte zusammen. Immer tiefer hatte sie den Kopf gesenkt, nun warf sie sich vornüber auf den Tisch und brach in fassungsloses Schluchzen aus.
»Na, na!« Rinke stand auf und sah ziemlich bestürzt auf sie nieder; dann aber lief er mit kurzen Schritten vor ihr auf und ab, diese ungebärdige Heulerei fing an ihn zu ärgern. Was hatte sie sich denn eigentlich eingebildet, sollte diese Liebelei immer los so weiter gehen?!
»Hör auf,« sagte er streng und zwang ihr den Kopf in die Höhe. »Nimm dich zusammen! Was fällt dir denn ein, du bist ’ne Feldwebelstochter, er ein Offizier. Was soll noch die Flennerei?! – Hör auf!« schrie er und stampfte mit dem Fuß, als ihr Weinen von neuem losbrach. »Wenn der Conradi will, könnt ihr bald Hochzeit machen – nur keine lange Zerrerei – dann hat die liebe Seele Ruh’. Na, dem Conradi wird’s schon recht sein!«
Ein verwirrter, banger Ausdruck kam in Josefines Gesicht, sie öffnete den Mund, aber ehe sie noch irgend etwas gesagt, schnitt ihr der Vater schon das Wort ab. Sie brachte es nur zu einem einzigen angstvollen Laut.
»Maul halten,« sagte er hart, und seine Züge wurden eisern. »Geantwortet wird nicht, aber pariert. Und daß du mit dem Leutnant nicht mehr weiter scharmutzierst, darauf giebst du mir dein Wort – dein Ehrenwort.« Er hielt ihr die Hand hin: »So!«
»Vater, ich kann nit – wat soll der Viktor wohl sagen – och, Vater!« Sie wand sich und schluchzte.
»Was der sagen soll?! Na, – sprich noch mal mit ihm, besser noch, schreib ihm – schreib ihm, was dir dein Vater gesagt hat. Und: ›Adieu,‹ wird er sagen, ›Adieu, Josefine!‹ Der hat Ehre.«