»Vater, ich kann et nit, wahrhaftijens Jott, ich kann’t nit – sag du et ihm! Ich sterb’!«

Nun that sie ihm doch wieder bitter leid, ihre Augen waren rot vom weinen, ihre Lippen schmerzlich verzogen; sie faßte ihn bittend am Rock: »Sag du et ihm!«

»Mädel, red’ keinen Unsinn, überleg’ dir’s doch, wie kann ich wohl mit dem Leutnant von so was reden – ich, als Feldwebel?! Du mußt dich alleine ’rausfinden. Zeig mal, daß du bist, für was ich dich immer estimiert habe, und daß du –« Es kam ihm etwas in die Kehle, er räusperte sich stark, und dann fiel er in seinen gewohnten Ton: »Donnerwetter, da schlägt’s ja schon sechse! Die Suppe, die Suppe, ich muß ’runter! Die Kerle werden täglich schlapper!«

Sie sprang auf, ihre Kniee zitterten, – die Suppe, die Suppe, es war höchste Zeit! Ob auch blind vor Thränen, tappte sie doch rasch zur Thür.

Die Morgensuppe schmeckte heute dem Feldwebel nicht. »Na, hast ihr wohl mit Thränen gesalzen,« sagte er mit einem Versuch zum scherzen, als er, an der Küche vorbei, zur Treppe ging.

Sonst hätte die Tochter gelacht, heute hörte sie nicht. Sie stand am Herd und starrte in die verlodernden Flammen. – –

Als Rinke im Bureau sich den Gänsekiel zurecht schnitt, beschloß er, nachher, in der ersten freien Minute, gleich dem Conradi zu schreiben – jetzt nur nicht lange gefackelt!

Er dachte gar nicht daran, wie schwer es ihm sein würde, die Tochter zu missen – nur fort mußte sie, bald Hochzeit machen! Und er wußte, sie würde nicht mehr widerstreben; jetzt ging sie lieber fort, als daß sie dem Leutnant täglich begegnete.

Eben legte er sich einen Briefbogen zurecht, als der Hauptmann ihn rufen ließ, der in großer Erregung draußen auf und ab ging.

Heute war alles in der Kaserne, überall sah man Offiziere. Auf dem Exerzierplatz stand der General von der Gröben inmitten der höchsten Chargen. Aber die Mannschaft hielt man auf den Stuben. Es wurden Gewehre geputzt, Munition verteilt – zwanzig Patronen pro Mann – der Pioniersektion das große Schanzzeug beordert, auch Brotbeutel gefüllt.