Ging’s wieder zu einem Tumult? Eine gewisse Neugier: wohin diesmal? bewegte die stumpfen Gemüter der Mannschaft.
Mit beunruhigten, gereizten Blicken sahen sich die Vorgesetzten an. Wer aus der Stadt kam, wußte von sich zusammenfindenden Volksmassen zu berichten. Eine aufgeregte Menge wogte durch die Straßen.
Was gestern einige nur besonders Eingeweihte gewußt, was als grauenvoll-geheime Kunde spät abends von Berlin eingetroffen war und den königlichen Prinzen im Jägerhof sein Ohr verschließen ließ vor den Hochrufen des fackeltragenden, fröhlichen Volkes, das war jetzt stadtbekannt – die Kämpfe des 18. März.
In der Hauptstadt Revolution!
Glocken heulten dort Aufruhr. Barrikaden auf den Straßen, Tote auf dem Pflaster, Blut und Hirn verspritzt. Vierzehntausend Mann Soldaten hatten von zwei Uhr nachmittags bis in die fünfte Morgenstunde des 19. März mit dem Volk gekämpft!
Was würde nun werden?! Würde es jetzt auch hier am Rhein losgehen?! Eine bange Schwüle lag in der Luft, eine erregende Spannung auf den Gemütern.
Die abgelöste Wache, die gegen mittag vom Burgplatz her ein gutes Stück durch die Stadt zu marschieren hatte, berichtete, in der Kaserne angekommen, von beleidigenden Zurufen, von pfeifen, johlen und Schimpfworten. Ein paar Mädchen in einem Fenster hatten sogar die Zunge herausgestreckt.
Die Sechzehner waren empört. Die Gereiztheit der Offiziere teilte sich nun auch der Mannschaft mit, man wäre am liebsten ausgerückt.
Der Feldwebel rannte umher wie ein Tier im Käfig. Niemand durfte die Kaserne verlassen. Hei, wenn er nur hervorspringen dürfte hinter dem schweren Thor, hinaus auf die Straße und den Pöbel, der schon seit Stunden Plätze und Gassen füllte, Achtung lehren! Die wollten sich wohl auch zusammenrotten, wie die Horden in Berlin, die erst die einzelnen Posten vor der Bank niedergeknallt und dann, berauscht von vergossenem Blut, es gewagt hatten, die Truppen vor dem Schloß anzugreifen, sozusagen dem König in’s Gesicht zu schlagen?!
Rinke hätte seine Frau prügeln können, die die armen Berliner Bürger bejammerte. Heftig gebot er ihr Schweigen. Die Frauenzimmer verleideten ihm die Wohnung; auch. Josefine hatte verheulte Augen, – war es denn jetzt an der Zeit, unnützen Liebesgedanken nachzuhängen?! Er hielt sich kaum oben auf, stieg wieder eilends hinab auf den Hof, machte die Runde und strich umher wie ein ruheloser Geist.