Wütende Augenpaare glitzern sich an.
»Nicht mit Steinen schmeißen! Um Jottes willen, nicht schmeißen!«
Vom Rathaus her kommen ein paar Männer angestürzt, barhaupt, mit flatternden Rockschößen. Angesehene Bürger sind es, ältere Leute. Sie verteilen sich unter der Menge, und man hört ihre beschwichtigenden Stimmen; sie ermahnen, sie bitten:
»Ruhe, um Jottes willen Ruhe!«
»De Preußen sollen sich scheren! Preußen, Schweinhunde, macht euch ab!«
Steine prasseln. Grell johlt der Pöbel auf.
Die Ruhestifter drängen sich durch; mit erhobenen Armen, wie zum Schutz, schieben sie sich zwischen die Parteien: »Ruhe, Ruhe, sie jehn ja schon! Der Befehl ist unterwegs – sie sollen abziehn – wartet nur! Wartet!«
Langsam weicht die Menge zurück; aber sie bleibt noch, auf der andern Seite des Platzes faßt sie Posto und wartet.
Wenig später erhält die Wache den Befehl: ›Abziehen! Zurück in die Kaserne!‹ –
Das war ein schmachvoller Rückzug! Feldwebel Rinke glaubte nie eine gleiche Demütigung erfahren zu haben; er wagte nicht aufzusehen, finster bohrte sich sein Blick in’s Straßenpflaster. Wenn auch der Pöbel, plötzlich vollständig zufriedengestellt durch den Abzug der Soldaten, lautlos, ohne höhnenden Zuruf, die Truppe passieren ließ, er glaubte doch den Spott zu fühlen. Aller Augen wähnte er auf sich gerichtet. Er hatte es nicht Acht, daß die Ruhestörer andre Wege einschlugen; die drängten in die Wirtshäuser, durchzogen Arm in Arm die Gassen, ›des Deutschen Vaterland‹ singend. Viele Häuser zeigten schwarz-rot-goldene Fähnchen, Bürger eilten nach dem Rathaus, um ihre nur durch das Nachtessen unterbrochene Beratung über die dringend notwendige Gründung einer Bürgerwehr fortzusetzen.