Hastig entfaltete er das Blatt, – es war zerknittert und eingerissen, als hätte einer mit der Faust dreingeschlagen und es dann wütend zerknüllt – kaum konnte er es noch lesen.
Da stand’s! Die Hundsfötter hatten den König herausgeschrieen, auf den Balkon des Schlosses war er getreten, sie hatten ihm Leichen entgegengehalten – Rebellenleichen! Gebrüllt: ›Hut ab!‹ Und er – der König – er hatte sich verneigt!
Vor des Feldwebels Augen flimmerte es, die Buchstaben tanzten. Mit einem Fluch suchte er weiter.
Hier die Proklamation!
›An meine lieben Berliner!‹
Lieben Berliner! »Haha!« Rinke wußte nicht, daß er mißtönend auflachte. Ganz betäubt, ganz entsetzt, mit Blicken, vor denen alles verschwamm und die doch grausam deutlich sahen, verschlang er das folgende. Jetzt buchstabierte er wie ein Kind:
›Ich gebe euch Mein königliches Wort, daß alle Straßen und Plätze sogleich von den Truppen geräumt werden sollen –‹
Er konnte, er wollte nicht weiter lesen, nein, nein! Und doch noch dies, hier noch dies:
›Vergesset das Geschehene, wie Ich es vergessen will –‹
War es möglich?! Das Zeitungsblatt in seiner Hand zitterte. Ungestraft sollten die frechen Empörer ausgehen, ungeahndet Soldatenblut vergossen, mit Mörderhänden an Preußens Thron gerüttelt haben?! Wo blieb die Tapferkeit, wo blieb die Ehre – wo der Prinz Wilhelm?! Was sagte der?!