Der Sommer war gekommen. Die Hochzeit rückte immer näher. Am letzten heißen Julisonntag hielt der Garnisonprediger das erste Aufgebot.

Der Leutnant von Clermont hörte es, er war gerade zur Kirche kommandiert. Von der Predigt hatte er nicht viel vernommen, seine Gedanken waren abgeschweift; nun aber, da der bekannte, oft genannte Name fiel – Josefine! – zuckte er zusammen. So bald schon heiratete sie?!

Und sie stieg vor ihm auf in ihrer ganzen blonden Frische. Er hörte wieder ihre volle Stimme, ihr heiteres Lachen. Am Fenster stand sie und sang und schaute nach ihm aus, Liebe im Blick. Ja, sie hatte ihm den Rhein lieb gemacht, vertraut die rheinische Stadt, – warm quoll es wieder in ihm auf – er würde sie doch nie vergessen! Unlöslich verknüpft blieb sie ihm mit Kindheitsfreuden, mit Jugendlust, sie war eins mit dem Rhein, mit dem Rhein! –

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Großmutter Zillges hatte es sich ausgebeten, im ›Bunten Vogel‹ sollte die Hochzeit sein anstatt in der engen Kaserne. Der Feldwebel hatte zwar erst heftig dagegen protestiert, aber es half ihm nichts, die Weiber waren ihm über. Er ließ ihnen jetzt viel freie Hand, denn, war es nicht kleinlich, daheim zu zanken, während außen so viel auf dem Spiele stand?!

In Schleswig-Holstein wurden die Dänen besiegt; mit Neid und Hohn zugleich waren Rinkes Blicke zur Zeit der kleinen Freischar Düsseldorfer gefolgt, die, ihren Karnevalspräsidenten an der Spitze, mit glühendem Enthusiasmus den ›Deutschen Brüdern‹ zu Hilfe geeilt war. Haha, viel schlimmer als die Dänen waren andre Feinde, aber gegen die zog niemand aus!

Wo war der Prinz von Preußen?! Weit in England – ›geflohen‹ sagten welche. Verleumdung, elende! Nein, der wartete nur, bis seine Zeit kam. Aber wann kam die, wann?!

Eine fieberhafte Sehnsucht glühte dem Soldaten im Blut; noch war er nicht alt, und doch fühlte er sich schon so: müde und alt. Sollte er denn in’s Grab steigen, ohne jemals gekämpft zu haben?! Liegen und verwesen, ohne einmal gesiegt zu haben?! Wenn’s dem König, der jetzt in Düsseldorf erwartet wurde auf seiner Reise zum Kölner Dombaufest, doch nur einer sagen wollte, daß mit der Langmut nichts ausgerichtet ist!

Die Stadt rüstete zum Empfang des königlichen Besuches. Aber längst nicht alle Bürgergardisten wollten sich einreihen lassen in das Spalier, das sich vom Köln-Mindner Bahnhof die Königsallee hinauf und noch weiter ziehen sollte. Mochten sich da servile Fürstenknechte drängen, sie waren freie Bürger! Und doch war die Neugier groß.

Aus den Dörfern und Fabrikorten der Umgegend, von diesseits und jenseits des Rheins zogen Scharen schon am frühen Morgen des 14. August in die Stadt. Die Schulen waren geschlossen, die Comptoire und Kanzleien auch. Alles feierte. Der Männergesangverein allein plagte sich noch mit üben; er sollte, während der König beim Prinzen im Jägerhof das Diner einnahm, im Vorgemach singen.