›Mein teures, gutes, liebes Weib, leb wohl!‹

Tausend Fäuste ballten sich im Grimm.

Eine Riesenparade der ganzen Bürgerwehrlegion fand statt, vom Balkon des Rathauses herab sprach der Chef begeisterte und begeisternde Worte. Mit erhobenem Schwurfinger und mit Waffengeklirr gelobte man heilig:

›Gut und Blut für die Freiheit!‹

Wie ein Fieber ergriff es die Bürgerschaft. ›Genug des Druckes! Weg mit den Steuern!‹ gellte es in Fanfaren durch die Stadt.

Scheelen Auges sah man Scharen eingezogener Rekruten in die Kaserne marschieren – noch mehr unnütze Brotfresser! Es verbesserte die Gereiztheit nicht, daß die neuen Soldaten großspurig lärmten und sangen.

Das wurde eine wilde Nacht. Katzenmusiken wurden gebracht, höhnende Ständchen vor den Fenstern verhaßter Persönlichkeiten, Scheiben eingeworfen, Hausthüren besudelt, greuliche Schreie ausgestoßen, Schüsse abgegeben, Polizisten geprügelt.

Am Morgen des 22. November erklärte der Divisionskommandeur den Belagerungszustand.

Lange hatte Feldwebel Rinke sich nicht so gefreut, als da die Infanterie ausrückte, die öffentlichen Plätze zu besetzen. Artillerie bepflanzte den Hofgarten mit Piketts und Geschützen, Kavallerie schwenkte auf den Straßen hin und her und spornte die Pferde in die aufkreischende Menge.

Das Herz wurde Rinke ordentlich leicht, als er den Leutnant von Clermont einer Rotte Ruhe gebieten sah, die durch ungebürliches Betragen die Verlesung der ›Proklamation über eingetretenen Belagerungszustand‹ störte. Wie dem jungen Offizier die Augen blitzten! Den Degen hatte er blank gezogen, der Zorn grub eine Falte in seine weiße Stirn. Ha, wenn so einer Preußen schützte, dann konnte das nicht verloren gehen! –