Frau Trina konnte freilich ihre Neugier kaum bezähmen. »Wenn’t mer nit eso ekelig wär’, mit der Eisenbahn zu fahren, dann thät ich als janz jern emal hinreisen,« sagte sie zu ihrem Mann. »Et Fina kann am End’ jetzt nit jut kommen, denn« – sie zwinkerte ihm zu.

Er verstand sie nicht. »Wieso denn?« fragte er.

»No, Rinke!« Jetzt stieß sie ihn ordentlich vorwurfsvoll an. »Haste dann alles verjessen? Wie war et dann bei uns? Keine zwei Monat waren mir verheirat’!«

»So, so,« sagte er, und es flog wie eine Ahnung seltener Freude über sein Gesicht. »Meinste wirklich?«

»Mer denkt doch,« sagte sie. Er nickte dazu: ja, das hatte er immer gedacht, die Josefine würde Preußen wackere Soldaten schenken! Tüchtiges Mädel!

Seine eignen beiden Jüngsten sollten nun auch bald zum Militär, waren ja derbe, rotbackige Bengels. Er hatte schon eine Eingabe gemacht für ihre Aufnahme zum 1. April in die Militärerziehungsanstalt zu Annaburg.

»So weit weg,« klagte die Mutter, »och Jott, och Jott, die armen Jüngeskes!« Aber sie sah es doch ein, die Jungens waren zu wild zu Haus, tanzten ihr, war der Vater nicht in Sicht, auf der Nase herum, und sie hatte eigentlich, seit Josefine fort war, keine ruhige Stunde mehr. Nun würde das besser werden. Der Friedrich, der krumme Beine hatte und somit nicht zum Militär taugte, war seit Michaeli bei einem Schlosser in der Lehre, das dauerte noch lange, bis der auf die Wanderschaft ging; und dann blieb ihr ja doch immer der Wilhelm!

Der Mutter Gesicht verklärte sich, wenn sie an den dachte.

Wie flott war er geworden! Rotseidene Tuchzipfel ließ er unter’m umgeschlagenen Hemdkragen flattern, sobald er sich staats machte. Und schlau war er! Frau Trina lachte von Herzen darüber, wie er dem Verbot ein Schnippchen zu schlagen wußte: bis weit über die Polizeistunde hinaus saßen die Gäste im ›Bunten Vogel‹ zusammen. Hinter die geschlossenen Läden hatte der Pfiffikus dicke Matten gestopft, kein Lichtstrahl kam so durch, kein Stimmenlaut drang so hinaus auf die Gasse; dunkel und still lag der ›Bunte Vogel‹, wie in harmlos ruhigem Schlaf.

Ende Januar war zwar der Belagerungszustand der Stadt aufgehoben worden, gewisse Beschränkungen existierten aber immer noch, und die würden auch nicht aufhören, solange der Polizei-Inspektor von Faldern seine Spürnase überall hinstecken durfte. Der war tüchtig verhaßt; nicht allein, daß er Verhaftungen vornehmen ließ und die Ausweisung von mancherlei Personen veranlaßte, er hielt es auch für nötig, alle paar Tage Militär zu requirieren. Jeder Bürger war empört darüber.