Sie hatte sich bei den Ihren nicht angemeldet; nun trat sie ein. Die Eltern saßen beim Essen, ganz allein. Mit einem: »Nanu?« sprang der Vater auf und schloß sie in die Arme.
Aber er freute sich doch nicht so, wie sie wohl erwartet hatte, er schien sich gar nicht mehr so recht freuen zu können. Als sie sagte, daß ihr Mann, für ihre Sicherheit besorgt, sie hierher geschickt, preßte er ihr die Hand mit einem seltsam krampfhaften Druck. »Recht, daß er dich geschickt hat. Nu kann’s losgehen!«
Frau Trina lachte: »Natürlich, der Rinke red’t von nix, als von losjehen!« Aber dann seufzte sie: »Och Jott, och Jott, dat is als janz schreckelich!«
Sie umhalste die Tochter mit großer Freude, es war ihr doch ein wenig bang gewesen so allein; die beiden Jüngsten waren vor vier Wochen nach Annaburg abgedampft. »Nu hab’ ich Ruh’,« klagte sie, »aber et is mich doch eso unjewohnt, et is mich als janz einsam! Un der Rinke is immer so verdrießlich!«
Josefine blickte den Vater an – ja, der sah grimmig aus, so recht in sich verbissen. Mager war er geworden, hager sprang die Nase vor zwischen den unruhig spähenden Augen.
»Jeht et dir nit jut, Vater?« fragte sie und legte die Hand auf seinen Ärmel.
Er schüttelte sie unwirsch ab. »Dumme Fragerei! Wie soll’s einem gut gehen, wenn die Kanaille frecher wird mit jedem Tag und man ihr keinen Tritt geben darf! – Siehst auch nicht zum besten aus,« setzte er nach einem prüfenden Blick hinzu.
»Mir jeht et sehr jut,« sagte die junge Frau leise und wurde brennend rot dabei.
Die Mutter deutete sich das Erröten auf ihre Weise – no, die Tochter würde sich ihr ja schon anvertrauen!– –
Wieder lag Josefine in ihrer Kammer, in ihrem schmalen Mädchenbett. Fast zärtlich glätteten ihre Hände das Kissen – ach, das war heut so verwühlt, sie konnte gar nicht schlafen.