Viktor! Sie hatte es nicht gerufen, aber verlangend, bittend, beschwörend streckte sie die Hände aus. Den da hatte sie ja so lieb gehabt, den da liebte sie noch – jetzt wußte sie’s.
In leidenschaftlicher Wallung stürzten ihr Tränen aus den Augen.
Um ihr glühendes Gesicht strich der Nachtwind wie mit abkühlender Mahnung; er raunte etwas, sie verstand es nicht. Sie wollte es nicht verstehen.
Treue, Tapferkeit, Gehorsam, Pflichtgefühl und Ehre – nein, an gar nichts mehr denken!
In einer heißen Freude glühte sie und schauerte doch – sie würde ihn wiedersehen!
Und dann –?!
Mit einem Seufzer warf sie den Kopf in den Nacken und schloß schwindelnd die Augen.
XVIII
Sie hatten sich bis jetzt nur flüchtig gesehen; sie waren sich begegnet im Hof, vor der Thür, auf der Straße, so oft, wie früher nie. Josefine war diesen Begegnungen nicht ausgewichen, nein, sie suchte sie sogar.
Wie war er schön, wie war er ritterlich! Er verblendete sie ganz. O Gott, ihn nur einmal noch sprechen, seine Stimme hören, diese Stimme, die so lustig necken konnte: ›Fina, blonde Fina, meine Fina!‹