›Zurück – halt, wer da?!‹ Die Hand war rascher als die Antwort, los ging schon der Schuß.
Die Rheinnebel wälzten sich über die Ratingerstraße und brauten um die Barrikade, drauf hoch eine rote Fahne wehte; noch war die nicht gestürzt, noch flaggte sie im Frühwind.
Still war’s in der alten Straße; die ziegelgedeckten Giebelhäuser hielten ihre Läden geschlossen, nur hier und dort öffnete sich behutsam ein Ritzchen, kaum groß genug, um einen angstvollen Blick hinaus spähen zu lassen.
Langsam kam jetzt eine Patrouille vom Ratinger Thor her, die Straße herunter. Vorsichtig gingen die Soldaten; sie schlichen. Auf der benachbarten Ritterstraße hallten Schüsse, aus dem Mühlengäßchen gellte plötzlich ein Schrei. Die Soldaten packten ihre Gewehre fester, rechts, links flogen spähend die Augen des vordersten; Feldwebel Rinke war’s, er führte die Patrouille an.
Eben hatte er sich von Leutnant von Clermont getrennt, dem die Meldung geworden, daß, nachdem man kaum die Barrikade aus der Mühlenstraße zerstört, in der benachbarten Ratingerstraße mit Zauberschnelle eine neue entstanden sei. Dahin, dahin! Nicht umsonst hatten sie beide zur Zeit die Stadt abpatroulliert, sie kannten das Gewirr der Gassen und Gäßchen.
»Führen Sie Ihre Leute von oben heran, Feldwebel,« hatte hastig der Offizier geraunt, »ich packe die Bande vom Montierungsdepot her im Rücken! Keiner entwischt uns!«
Mit Augen, die fast aus den Höhlen dringen, späht der Feldwebel jetzt in die Dämmrung. Verdammt, daß man nicht besser sehen kann! Wo, wo stecken die Schufte?! Sein Herz schlägt hart; seine lange Gestalt duckend wie zum Sprung, tappt er voran.
Dunkel ragt etwas vor ihm auf, ist’s ein Bollwerk, eine Verschanzung?! Hei, der Feind dahinter! Ein gellendes Pfeifen empfängt die Soldaten.
Hurra, da ist die Festung! Auf zum Sturm! Ein lautes Kommando schreit er heraus und dann ein jauchzendes Hurra; mit gewaltigem Anlauf stürmt er.
Fässer sind aufgetürmt, Bierfässer, Weinfässer, Bretter darüber gelegt und umgestürzte Karren; Stroh, Sand, Steine zwischengestopft.