Keuchend schafft sich Rinke Bahn. Die Pistole hat er in den Gurt gesteckt, mit mächtigen Griffen reißt er das Bollwerk auseinander. Wie ein Wütender, achtlos des Hagels von Steinen und Glasscherben, der auf ihn nieder saust, tollkühn, dringt er vorwärts. Wie in der Schlacht, hei, wie in der Schlacht!
Hier ein Stoß, da ein Tritt – er strebt nach der Fahne, die frech dort oben flattert.
Schwarze Gestalten – es sind ihrer nicht viele – geben Fersengeld.
»Hurra!« Jetzt stehen schon einige Soldaten oben, sie feuern hinter den Fliehenden drein. Und »Hurra!« tönt es von hinten, vom Depot her. Gleich angstvollen Bestien rennen die Umstellten hin und her.
Mit einem wilden Lachen langt Rinke nach der Fahne – halt, wer duckt sich da?! Er schwingt sich vollends hinauf; einer will entwischen. »Steh! Halunke, steh!«
Pardon wird nicht gegeben. Mit eiserner Faust packt der Feldwebel zu. Blitzschnell entwindet sich ihm eine schlanke Gestalt, will fliehen, sieht keinen Ausweg, rafft einen Stein auf und setzt sich verzweifelt zur Wehr.
Ohne Besinnen reißt der Soldat die Pistole heraus und schlägt an – Mann gegen Mann – da zeigt ihm ein Feuerstrom, der vorüberfährt, ein pulvergeschwärztes, angstverzerrtes Jungengesicht – Wilhelm!
»Verfluchter Bengel!« knirscht er zwischen den Zähnen; er hat ihn gesehen, er hat ihn erkannt. Und der Sohn hebt mit beiden Händen, zum niederschmettern bereit, den Pflasterstein.
Knall, wieder ein Feuerstrom. Der Feldwebel zuckt zusammen – können die Kerls denn nicht das Kommando zum schießen abwarten?! Dicht nebenan stürzt ein Aufrührer, fällt hintenüber, reckt im jähen Tod die Fäuste empor. Grausenvoll stiert sein Auge. Und er ist auch noch so jung!
In Rinkes Hand beginnt die Pistole zu schwanken; jetzt hat er keine Festigkeit zum zielen mehr, er läßt die Waffe sinken. Vater und Sohn starren sich an; nur Sekunden und doch Ewigkeiten.