»Halunke,« zischelt der Vater endlich und hebt wieder langsam, zögernd die Pistole.
»Vater!« schreit entsetzt der Sohn auf, läßt den Stein fallen und verbirgt das Gesicht.
»Halunke!« Die bebende Hand will nicht gehorchen.
Da – ein Stein kommt angeschwirrt, von unsichtbarer Hand geschleudert – gut gezielt. Der Feldwebel taumelt; vor die Stirn getroffen kollert er hinterrücks von der Barrikade.
Und der Sohn steht mit stierem Blick. Hat er geworfen, den Vater getroffen –?! Nein – ja – nein! Er weiß es selber nicht, er ist ganz betäubt.
»Halt, der da, der hat geschossen! Packt die Kanaille!«
Ein Offizier mit blankem Degen springt auf Wilhelm zu. Da rafft der Junge sich auf, die Betäubung weicht – rette sich, wer kann – in Lebensgier, in Freiheitsgier setzt er herab auf’s Pflaster. Dort, dort ist der ›Bunte Vogel‹ und Hilfe, Rettung!
Die Thür giebt nach – er hinein – Riegel zu – Treppe hinauf, in den Taubenschlag, auf’s Dach. –
Gewehrkolben donnern gegen die Thür des ›Bunten Vogel‹. Leutnant von Clermont verschafft sich mit Gewalt Einlaß; halb eingerannt, halb zerschossen, hängt die Thür nur noch lose in den Angeln. Die Soldaten stürmen in den dunklen Flur.
Wo ist der Kerl, der geschossen hat? Hier drin muß er sein! Man schickt sich zum suchen an. Ihrer zwei, drei stolpern in den Keller, ein paar andre die Stiege hinauf. Der Leutnant fährt das alte Weib an, das ihm aus der Wirtsstube entgegentritt: