Josefine liefen die Thränen über’s Gesicht; auch Schnakenberg schneuzte sich mehrmals, dabei drehte er sich ein bißchen weg, das leere Hosenbein war ihm gar zu jämmerlich.

Frau Trina schluchzte noch immer:

»Meine Jung’, meine arme Jung’!« Und küßte ihn und tätschelte ihm die Backen, wie sie es vielleicht einst dem kleinen Knaben gethan.

Der Sohn war nicht sehr zärtlich, er nahm’s nur gnädig hin.

»Jammert doch nich,« sagte er fast ungeduldig. Und dann richtete er sich so stramm auf, als er nur irgend konnte, und wies auf das Militärehrenzeichen, das die Brust seines verschabten Uniformrocks zierte: »Das kriegt man nich umsonst! Im Lazarett machten se ’ne richtige Feier, als se mir’s überreichten. Ja, was denkt ihr wohl, das is en besondere Ehr’! Die meisten kriegen nur das Erinnerungskreuz von Bronze – ihr könnt mir gratulieren!«

Aber Mutter und Schwester gratulierten ihm nicht. Frau Trina war, ihr Taschentuch vor’s Gesicht haltend, auf einen Stuhl gesunken, Josefine sah den Bruder mit zuckenden Lippen an. Nur Schnakenberg schüttelte ihm die Hand und schlug ihm dann auf die Schulter:

»Jratuliere! No, ich sag’ et ja, da wolle mer mal tüchtig eins auf trinken – hoch de tapfre Vaterlandsverteidiger, hoch, hoch!«

Ferdinands Augen glänzten auf, und er schmunzelte. Heute morgen schon waren Nachbarn gekommen, um ihn zu sehen; die ganze Kasernenstraße erinnerte sich ja noch an den ›Rinkes Jung’‹, und jetzt natürlich war er erst recht der Mann des Tages. Ein paar Knaben hatten ihn flehentlich um ein Andenken vom Schlachtfeld gebeten. Ja, wenn nur erst seine Kiste nachkam, dann wollte er ihnen schon blutgefärbte Uniformläppchen und ein paar Granatsplitter austeilen. Er versprach dem Stiefvater, heute abend mit in dessen Stammkneipe zu kommen; da wollte ihn dieser den Herren vorstellen, und er sollte von seinen Erlebnissen zum besten geben.

»Wird der dat nit zuviel sein, Ferdnand?« fragte Josefine besorgt. »Du sagst doch, dat Jehen macht dich e so müd.«

Das wollte er jetzt nicht mehr Wort haben.