»Wer können ja auch ene Wage nehmen,« sagte Schnakenberg. »Och, wat dann, Fina,« – er kniff die Stieftochter in die Wange – »nur kein ängstlich Jesicht! So ne Krieger is nit von Zucker. Jelt, Herr Sergeant? Heut jehn wer nach Ahmer und morjen nach Löhmer un übermorjen nach Hintze, un im Römischen Kaiser un im Verein. Wer machen de Rund’, bis dat wer durch sind. De Jung’ soll nit sagen, dat wer em nit ordentlich befeiert haben!«

Als der Stiefvater mit der Mutter gegangen war, äußerte Ferdinand sein Wohlgefallen: Der Schnakenberg war doch ein sehr netter Kerl, ein sehr anständiger Mann!

Josefine wollte nicht widersprechen. Gewiß, der Schnakenberg war ein guter Mensch – sie war ihm dankbar für manche Freundlichkeit – aber seit sie in Düsseldorf war, mußte sie wieder so viel an ihren Vater denken. Es drängte sie plötzlich, von ihm zu sprechen.

»Ferdnand, wat würd’ der Vater sagen,« flüsterte sie in einem weichen Ton und blickte hinüber zur Kaserne.

»Ja, so was hätt’ der auch wohl haben mögen,« sagte Ferdinand und schielte nach der Auszeichnung auf seiner Brust. »Hab’ ich der denn schon erzählt, warum ich das gekriegt hab’?«

Und nun begann er in einer Weise zu erzählen, daß sie merkte, er hatte das schon so und so oft gethan. Es klang wie auswendig gelernt:

»Wir hatten die fränkische Saale überschritten, am 10. Juli war’s, wir machten den Übergang auf einem Balken, die Brücke hatten die Hundsfötter, die Bayern, gesprengt; in Kissingen steckten sie drin, die verfluchten Kerle, und die Höhen hielten sie besetzt. Aber wir – hurra! – steil ging’s den Berg herauf, und –«

Er wurde unterbrochen. Die Ladenschelle klingelte, zwei bärtige Männer in Civil traten ein; man sah ihnen den ›entlassenen Landwehrmann‹ an. Sofort trafen sich ihre Blicke mit denen des Invaliden.

»Was jefällig?« fragte Josefine.

Aber sie wurde gar nicht gehört, die beiden hatten sich gleich mit Ferdinand in ein Gespräch vertieft.