»Division Göben, 53. westfälisches Infanterie-Regiment, 10. Juli bei Kissingen,« sagte der Invalide und wies auf seinen Beinstumpf.
»Niederrheinisches Füsilierregiment, Ersatzbataillon, 10. Juli bei Hammelburg!«
Das war ein Händeschütteln, waren sie doch am selben Tag, nicht weit von einander, im Feuer gewesen! Mit Bewunderung sahen die beiden Landwehrmänner das Ehrenzeichen auf der Brust des Kriegskameraden.
Der Invalide strahlte.
»Ja,« sagte er, »wir hatten die fränkische Saale überschritten, am 10. Juli war’s, wir machten den Übergang auf einem Balken, die Brücke hatten die Hundsfötter gesprengt, in Kissingen steckten sie drin, die verfluchten Bayern –«
Josefine mochte die Erzählung nicht mehr mit anhören, sie ging hastig hinaus. Der Vater hatte ihr einstmals auch vom Krieg erzählt – aber wie anders! Und doch mußte sie froh sein, daß der Stolz dem Bruder über den Verlust seines Beines weghalf.
Als sie wieder hineinkam, hatte er eben geendet, mit hochrotem Kopf saß er in seinem Stuhl. Die Landwehrleute machten ein großes Hallo; sie ließen nicht nach, er mußte mit ihnen nebenan in die Wirtschaft gehen und ein kameradschaftliches Glas mit ihnen leeren.
Als sie Stöcke gekauft, schleppten sie ihn ab, und er ließ sich nur zu gern schleppen. Josefine sah ihnen nach: die zwei von der Landwehr mußten heute schon ordentlich was getrunken haben, sie wirbelten ihre Stöcke; jetzt huben alle drei ein lautes Singen an.
Lange nach mittag kam Ferdinand erst zurück, er war glückselig. So viele Freunde hatte er gefunden, und sie hatten ihn hoch geehrt, wie einen Helden gefeiert und ihn zuletzt im Triumph durch’s Lokal getragen. Wenn die neunundreißiger Füsiliere, die anfangs Winter als ständige Garnison in Düsseldorf einrücken sollten, ebenso nette Kerle waren, wie die vom Ersatzbataillon, ließ es sich hier schon leben. Er war freudig erregt, neckte sich mit den Neffen und schwatzte in einem fort. Mit Mühe überzeugte Josefine ihn, daß es dringend nötig für ihn sei, sich zu ruhen. Es kostete sie unsägliche Anstrengung, ihn die Stiege hinaufzubringen, denn die war eng und die Stufen hoch. Er stöhnte und fluchte, stützte sich mit der einen Hand auf’s Treppengeländer und legte den andern Arm so fest um ihren Nacken, daß er sie fast niederdrückte. Der kleine Fritz schleppte die Krücken nach. Sie dankte Gott, als sie dem Bruder oben auf’s Bett geholfen; noch sprach sie zu ihm, da schlief er auch schon.
Es dunkelte längst, als Josefine erst wieder etwas von ihm merkte. Fritz kam gelaufen und holte sie: der Onkel wolle sich nun fein machen und könne nicht allein damit zu stande kommen.