Der Invalide nahm es als ganz selbstverständlich an, daß ihm geholfen wurde; die Schwester that es ja auch gern, war sie doch froh, daß er sie aus heiteren Augen anlachte. Aber ein eigentümliches Grausen überlief sie, als er nur einen Fuß hinstreckte, um sich den Stiefel anziehen zu lassen. Ihre Hände zitterten und hatten keine Kraft, aber er merkte es nicht; lustig pfiff er den Königgrätzer Siegesmarsch und beorderte Fritz, ihm die beste Montur herauszusuchen. Er mußte doch eine Figur abgeben, wenn der Stiefvater ihn präsentierte.
Josefine war es weh um’s Herz, als der Bruder nun soweit fertig war, – im besten Rock mit dem Ehrenzeichen, die Haare pomadisiert, – und sich zuletzt noch sorgfältig den krausen Backenbart kämmte, nachdem er sich vorher das Kinn sauber ausrasiert. Sie betrachtete ihn: wahrhaftig, ein schöner Mann, fast dem Kronprinzen ähnlich – aber ach, nur ein Bein! Das andre war hoch am Oberschenkel amputiert.
»Ferdnand,« sagte sie aus einem Herzensdrang heraus, »wie fühlste dich dann?«
»Gut, sehr gut, ganz famos! Kuck doch mal nach,« schrie er dem Kleinen zu, »ob der Schnakenberg bald antritt!« Er schien es gar nicht abwarten zu können. Als eine Kutsche vorrasselte und der Stiefvater unten im Flur rief, humpelte er so eilig die Treppe hinunter, daß er fast gestürzt wäre und Josefine mit sich gerissen hätte.
»Immer langsam voran, immer langsam voran,
Daß die österreich’sche Landwehr nachkommen kann,«
begann er da zu singen. Das ganze Haus schien von seiner lauten Stimme angefüllt.
Josefine wurde diesen Klang nicht los, auch als die Räder des Wagens längst verrollt waren. Zwischenhinein bimmelte die Ladenschelle; es kamen eine Menge alter Bekannter, die den Heimgekehrten besuchen wollten. Ein paar kleine Mädchen aus der Nachbarschaft erschienen, hübsch angeputzt, mit einem Kranz und wollten ihm ein Gedicht aufsagen.
Josefine war’s zufrieden, daß das Gelaufe ein Ende nahm, als der Zapfenstreich ertönte.
›Zu Bett, zu Bett,