Wer en Liebsten hätt’,
Wer keinen hätt’,
Muß auch zu Bett.
Zu Bett, zu Bett, zu Bett.‹
Wie oft hatte sie das als Kind ahnungslos der Trompete nachgeschmettert!
›Wer keinen hätt’,
Muß auch zu Bett –‹
Von einer schwermütigen Regung befallen, sah sie sich jetzt um. Da stand ihr einsames Bett. Und sechsunddreißig Jahre – nein, das war noch nicht alt! Unwillkürlich breitete sie ihre Arme, in denen das warme Blut voll an die Pulse klopfte, und dann streifte ihr Blick den Spiegel. Sie trat davor und hielt das Lämpchen hoch. Hellbeleuchtet schaute ihr Bild sie an: blank die Augen, frisch das Gesicht und das Haar blond, nicht mehr so licht wie in der Mädchenzeit, ein wenig nachgedunkelt, aber blond doch, ganz blond, kein einziges, graues Fädchen an den Schläfen.
Seltsam genug stand das schwarze Kleid gegen das helle Gesicht. Sie hatte sich noch immer nicht entschließen können, die Trauer abzulegen, nur ein schmales, weißes Krägelchen gönnte sie sich am Halse. Aber nun sie sich selbst so sah, dünkte sie es auf einmal an der Zeit, ein andres Gewand hervorzusuchen.
Er würde es ihr nicht verdenken!