Leise begann sie zu summen. Das schöne Lied! Nun sangen es auch längst ihre Kinder. Es war unvergessen und würde unvergessen bleiben.
Lächelnd schlug sie das Büchlein zu. – – – ›Viktor – –!‹
Wie ein Gruß stieg es von dem roten Buch zu ihr auf; sie hielt das im Schoß und fühlte sich auf einmal wieder ganz jung.
Und zwei Papiere ruhten im Kästchen, neugierig griff sie auch nach diesen. Erst hier dies zusammengekniffte, goldgeränderte Kärtchen!
›Mädchen, wenn ich einmal sterbe
Und der Tod mein Auge bricht,
So pflanz’ du auf meinem Grabe
Eine Blum’: Vergißmeinnicht!‹
las sie.
Ach Gott, das hatte ja Conradi geschrieben, damals, als er um sie freite! Und sie hatte darüber gelacht. Jetzt schossen ihr Thränen in den Blick, so ungeahnt rasch und heftig, daß sie kaum die schöngeschnörkelte Schrift mehr entziffern konnte.