Der Schlosser sah sie mit seinen klugen Augen an:
»Un du bis auch schon halb dafor, ich seh’ et dir ja an. Fina, biste dann jeck?«
Sie wurde rot und wußte nichts darauf zu entgegnen, denn jetzt, wo der Bruder ein Gesicht machte, wie: ›Maler, puh, Verrücktheit‹, fühlte sie, wie sehr sie dem Jungen die Erfüllung seines Wunsches gegönnt hätte.
»So en Tollheit ist dat doch nit,« sagte sie endlich, ein wenig gereizt. »Er hat Talent.«
»Talent« – Friedrich ereiferte sich gar nicht – »ich will dir wat sagen, Fina, wenn de mich frägst, dann sag’ ich der, laß de Jung’ en Handwerk lernen. Handwerk hat ene joldene Bodem. Un im Handwerk liegt unsre Zukunft. Nit, daß de denkst, er müßt’ nu immer mit de Fingeren knüddelen, wie sie’t früher jemacht haben; von früh bis spät, bei en Talgkerz oder en Öllamp’ – ne, Jott bewahr’! Handwerk, damit mein’ ich jetzt: Industrie! Wer haben jetzt Maschinen, Jott sei Dank! Wenn de Jung’ Talent hat, wie de sagst, dann laß ’n doch Mechaniker werden, Techniker meinswejen, dat klingt nobler, da kann er auch bei zeichnen.«
»Aber dat is doch nit Kunst,« sagte sie betroffen. »Er möcht’ doch Künstler werden.«
»Künstler, so!« Nun stieg Friedrich doch eine Röte in das, von der ewigen Fabrikluft ein wenig bleiche Gesicht. »Ich sag’ dir, et is ebenso en jroße Kunst, en Maschin’ richtig im Jang zu bringen, en Jeschütz zu montieren, ne Schienenstrang zu legen, ne Stollen zu bauen, als so Bildches zusammenzuklecksen. Un wat fingen dann die Maler mit ihre Bilder an, den Ofen könnten se dermit heizen, wann de Industriellen nit wären, die sie ihnen abkauften?! Un sag ens an, weißte dann, ob de Jung’ wirklich en jroß’ Talent hat, en Talent, wo mer auch wat mit verdient, oder ob er so ene kleine Schmierer bleibt, de hungren muß, so lang er lebt?«
Josefine schwieg – ja, ja, wer konnte das wissen?!
Nun mischte sich Ferdinand ein. Talent hätte der Junge keins, nicht die Bohne! Und damit zog er aus der Tasche seines alten Militärrockes ein Papier, faltete es auseinander und legte es vor die andern hin. »Hab’ ich gefunden – verflixter Rabau!«
Und nun raisonnierte er: War das eine Art, daß der Bube ihm gleich auflauerte, wenn er einmal nebenan in die Wirtschaft ging, mit ein paar Kameraden ein harmloses Spielchen zu machen? War ihm die kleine Abwechslung nicht zu gönnen in seinem Jammerdasein? Nur Fratzen konnte der Bengel kritzeln! Keine Spur von Talent!