Auf dem Blatt, mit ein paar Pinselstrichen hingeschmiert, aber doch deutlich erkennbar, saß der Invalide bei Kartenspiel und Schnapsflasche. Rechts und links ein Kumpan. Die Nase, die dem Ferdinand in Wirklichkeit leicht rosig schimmerte, war hier zu einer Riesengurke angeschwollen und mit einem feuerroten Farbklecks verunziert. Ein übergroßes Maul hatte er aufgerissen, er erzählte wohl eben eine Heldenthat. Darunter stand:
›Laß ab vom Kartenspiel, mein Sohn,
Denn wisse, jede Sünde rächt sich,
Verlor sogar ja Kron’ und Thron
So mancher Fürst in – Sechsundsechzig!‹
Der Invalide schäumte vor Wut: woher wußte der respektlose Bengel, daß sie ihm kürzlich die ganze Barschaft abgenommen hatten?!
Eine unbezwingliche Lachlust kam über Josefine. Wahrhaftig, der Ferdinand war nicht gut weggekommen – der Peter, der freche Jung! – aber das Bild war zu komisch. Sie hielt sich beide Hände vor’s Gesicht und platzte laut heraus. Da humpelte der Invalide beleidigt aus dem Zimmer.
Auch Friedrich schmunzelte, aber er wurde gleich wieder ernsthaft. »Säuft de Ferdnand?« forschte er. »Spielt er Karten?«
Sie mußte es bejahen. Die Fröhlichkeit verging ihr. Noch Lachthränen in den Augen, sah sie den Bruder angstvoll an, und dann, von einem plötzlichen Impuls getrieben, ergriff sie seine Hand:
»Och, du, Friedrich, sei so jut, dat de Peter wat Ordentlichet lernt!«