»Die Fabrick, die eklige Fabrick!« Er stieß mit den Füßen. »Nit in die Fabrick!« Und jetzt stöhnte er laut auf, und es klang wie ein Schrei: »Mutter!«
Da hielt sie’s nicht länger aus, sie tastete mit der Hand, bis sie sein Gesicht fand, und strich über seine Wange. Und er war gleich wach.
»Mutter, bist du ’t?«
»Hm!«
»Mutter, mach doch Licht an, et is ja stichdunkel hier! Och, ich hab’ jeträumt, so eklig, so jräßlich« – er seufzte schwer – »Mutter, Mutter!« In einer großen Aufregung warf er sich hin und her, seine Stirn und seine Hände glühten. »Mutter,« sagte er plötzlich und packte sie fest an, »soll ich dann wirklich nit Maler werden?«
Sein Ton schnürte ihr das Herz zusammen. Seine unruhigen Hände in die ihren fassend, setzte sie sich zu ihm auf den Bettrand. Durch die Dunkelheit glitt ihre Stimme, weich wie Sammet. Sie wiederholte ihm, was der Onkel gesagt, sie setzte ihm alles auseinander, sie redete ihm zu – es half nichts, er blieb dabei: ›Maler!‹ Ja, jetzt konnte er reden. Warum hatte er denn all das dem Onkel nicht gesagt?!
»Du dumme Jung’, hättste doch wat riskiert!« Sie hatte eigentlich über sein Fortlaufen tüchtig mit ihm schelten wollen, aber jetzt wurde nur ein liebevoller Vorwurf daraus. »Warum haste dann nix jesagt?«
»Ne!« Er zog sich ordentlich in sich zusammen. »Och, de! De versteht da ja doch nix von. De denkt nur an Jeldverdienen. Mutter, Mutter, un ich möcht’ dich doch malen in deinem blauen Kleid, mit deinem blonden Haar, auf en Altarbild, so wie du bist, un wie du mich anlachst! Verhungeren werd’ ich schon nit, wenn ich Maler werd’, davor bist du ja da, jelt, Mutter, jelt?« Er warf sich in ihre Arme und küßte sie stürmisch.
Josefine fühlte ihr Herz aufwallen. Ihr lieber Junge! Unwillkürlich schloß sie die Arme fester um ihn. Worte der Zärtlichkeit drängten sich ihr auf die Lippen – aber da, halt, ein rauher Ton unterbrach das Geflüster.
›Herrraus!‹ schallte es von der Wache herüber. Wer auch im weichsten Bett lag, mußte es hören; knapp und klar, scharf und energisch drang das militärische Kommando durch die Nacht.