Aus den Mannschaftsküchen wehten Schweinsbratendüfte Josefine in die Nase, als sie aus ihrem Fenster zur Kaserne hinüberblinzelte. Ach, sie erinnerte sich solcher Festtagsgerüche gar wohl!

Als gestern abend der große Zapfenstreich durch die Straßen quinkelierte und Bürger in Scharen gefolgt waren, da hatte auch sie ihre Jungen untergefaßt, und war mitgezogen im gleichen Schritt und Tritt.

»Mutter, kannst du aber marschieren!« sagten die Kinder und lachten. Ja, das konnte sie auch noch – eins, zwei – eins, zwei – hatte sie es denn nicht gelernt?

»Mutter, du hälst ja Tritt wie einer – äh, – bei Seiner Majestät Jarde – äh!« neckte der Peter und äffte den Berliner Gardeton nach.

Es verdroß sie fast ein wenig, daß der Junge so spottete. Vertraulich nickte sie zur alten Kaserne hinüber, deren Umrisse eben wieder im ungewissen Schein der im Wind flackernden Laternen auftauchten.

Zu Hause beim Ferdinand, der unterdes das Lädchen bewacht – dazu ließ er sich wenigstens herbei – hatte sie dann den Gefreiten Hucklenbruch gefunden.

»Och, Herr Hucklenbruch, wat sind Sie verdrießlich!«

Sie that verwundert darüber, aber eine Röte stieg ihr verräterisch in’s Gesicht. Wußte sie doch ganz genau, der junge Mensch kränkte sich, daß sie ihm schon neulich rundweg abgeschlagen, morgen mit bei dem Königs-Geburtstagsball zu sein. Nicht, daß sie nicht noch einmal in ihrem Leben gern getanzt hätte – o, sie wollte den Walzer wohl schleifen und den Rheinländer schon wiegen! Als er ihr die Einladung so dringend gemacht, da war ihr wohl für ein paar Augenblicke die Lust angekommen, aber nein, der junge Mensch, was würde sich der dann einbilden?!

Er sah sie so wie so immer so glühend wie möglich an mit seinen wasserhellen Augen und drehte dabei verlegen an seinem schüchternen, flachsblonden Schnurrbärtchen.

Nun wollte er noch einmal sein Heil versuchen. Nicht umsonst war er an der Porta Westfalica zu Hause – die von der roten Erde haben alle eine gewisse stille Zähigkeit.