»Sie wollen also sicher und chewiß nich, Madam Conradi, und es wird so schön.« Er sah sie an, als hinge seine ganze Seligkeit von ihrer Antwort ab.

»No, so geh doch als, Finken,« sagte der Invalide; der junge Westfale mußte ihn wohl gespickt haben, denn er redete sehr eifrig zu. »Wenn mer so lang Trübsal geblasen hat, wie du, kann mer sich wahrhaftig emal en klein Pläsier gönnen.«

»Ich hab’ nit Trübsal jeblasen,« entgegnete sie rasch und zeigte mit einem vollen Lachen ihre weißen Zähne.

»No, ich mein’ – no, du bis ja doch nu als zwei Jahr Witwe!«

»Och so, du meinst wejen dem Conradi?! Ne!« Sie schüttelte den Kopf, ihr Lachen wurde zu einem wehmütigen Lächeln. »Ne, wejen dem könnt’ ich ruhig auf der Ball jehn, de würd’ sich nur drüber freuen.«

»Och, dann kommen Sie doch hin,« bat der junge Westfale, und sein helles Gesicht, mit dem Sattel von Sommersprossen über der Nase, strahlte. »Chewiß und wahrhaftig, Sie riskieren nix!« Er hob ernsthaft die Hände. »Bei mir sind Sie wie in Abrahams S-chößchen. Chehn Sie doch mit, chehn Sie doch mit! Es wird chanz wunderschön!« Im Eifer that er, was er sich noch nie getraut hatte, und legte kühn den Arm um ihre Taille.

Da machte sie sich lachend frei; dem nahm sie das nicht übel, der war ja noch so jung und – er hatte ihr oft von Haus erzählt – guter Leute Kind. Der war nicht frech. So lächelte sie ihn freundlich an, aber sie blieb bei ihrer Absage.

»Danke sehr, Hucklenbruch, aber ne, dat wär’ ja wohl lächerlich, wann ich mit Ihnen wollt’ auf der Ball jehn. Ich hab’ ja so ene jroße Jung’!«

Der junge Mensch wurde dunkelrot: das verletzte ihn doch gar zu sehr. Nicht zum erstenmal ließ sie es ihn fühlen, daß sie ihn nicht recht für voll erachtete, daß er ihr zu jung war. Nein, er wollte auch gar nicht mehr an sie denken, es gab hübsche Mädchen genug, die gern mit ihm auf den Ball gingen. Er pfiff auf ihre Freundlichkeit! Sie brauchte ihn auch gar nicht mehr zu fragen, was denn seine Mutter geschrieben, und ob es beim Exerzieren ›gut gegangen hatte.‹ Und doch fuhr es ihm wie ein Stich durch die Seele, als jetzt die Ladenschelle bimmelte und der Unteroffizier Schmidt schnellen Schrittes über die Schwelle trat.

»’n Abend,« sagte Schmidt recht forsch und legte, die Hacken zusammenklappend, den Finger an die Mütze. »Wie steht das Befinden? Alles wohl? Freut mir unjemein!«