Wie der den militärischen Gruß und das Schwadronieren weg hatte, der Kerl! Natürlich, ein Berliner! Die lagen ja schon neunmal klug in den Windeln! Der kleine Hucklenbruch warf einen bitterbösen Blick nach dem, für einen neununddreißiger Füsilier auffallend großen Menschen.
Schmidt lehnte jetzt über den Ladentisch, den rechten Ellbogen aufgestützt, und redete auf Frau Fina ein. Was er sagte, konnte der Eifersüchtige nicht verstehen, wie sehr er auch die Ohren spitzte. Aber er sah, wie die blonde Frau mit gesenktem Blick zuhörte. Das Blut sauste ihm in den Ohren: ob sie am Ende mit dem hinging? Der sah natürlich älter aus, hatte dunkles Haar und ein entschlossenes Gesicht – ein freches Gesicht! Der war ihr nicht zu jung.
Aber nun durchrieselte ihn ein freudiger Schreck, denn sie sagte:
»Ne, danke, Herr Unteroffizier, wat Sie da auch all’ sagen, ich jeh’ nit mit.«
»Nanu, da brat’ mir doch eener ’n Storch!«
Der Westfale triumphierte. Das war recht, das war recht, daß der Berliner einen Korb kriegte!
»Un dann,« sagte Josefine und sah sich lächelnd nach Hucklenbruch um, »un dann hab’ ich et ja auch als dem da abjeschlagen!«
»So, – na denn!« Ein rascher Blick des Unteroffiziers streifte den flachsblonden Gefreiten. Dieser empfand es deutlich: das war lauter Geringschätzung, mit der der unverschämte Berliner ihn maß. Er hätte sich auf ihn stürzen mögen, ihn mit den Bauernfäusten zerbläuen.
Aber Schmidt drehte schon seine schlanke Figur mit einer gewandten Schwenkung zur Thür. »Na, denn nich schöne Frau! Adjö Sie!«
Noch einen schnellen Blick tauschten die beiden Rivalen, dann klappte die Thür; man hörte Schmidts Pfeifen draußen auf dem Trottoir.