Der freche Kerl! Was sollte das heißen, dieses verächtliche: ›Na, denn nich!‹?! Hucklenbruch grübelte; eigentlich hätte er dem Verhaßten nachgehen müssen, und ihn zur Rede stellen – ›na, denn nich! na, denn nich!‹ – aber es hielt ihn hier im Lädchen wie mit Banden. Er war sehr glücklich darüber, daß sie den Schmidt hatte ablaufen lassen; sein Herz puckerte, nun war er auf einmal gar nicht mehr so unglücklich, daß sie morgen nicht mitkam. Sie ging eben überhaupt nicht zu dem Ball; und wär’ sie gegangen, wäre er, er der Bevorzugte gewesen! Das machte ihn stolz. Er konnte die Thür nicht finden und merkte nicht Josefines verstohlenes Gähnen; er saß und saß.

Es war ein seliger Abend. Wäre nur nicht noch kurz vor Zapfenstreich der Herr Zahlmeister erschienen. Der brachte ein Paar Handschuhe, die er schnellstens gewaschen wünschte.

Achtung, der kam doch nicht bloß wegen der Handschuhe! Der Dicke mußte deftig viel getrunken haben; denn er kollerte wie ein Truthahn vor der Henne.

Auch er fragte, ob Frau Conradi nicht dem Fest morgen in der Kaserne beiwohnen wolle, ›unter seiner speziellen Führung,‹ wie er galant versicherte.

»In unsern Jahren liebt man zwar das Tanzen nicht mehr,« meinte er und beugte sich über den Ladentisch, »desto mehr aber die Gemütlichkeit. Leider Gottes hat man die ja im verwitweten Stande nicht immer –« er seufzte – »aber man sucht sie doch!«

Hucklenbruch wurde es bang. Die Witwe hörte das alles so still an und sah nachdenklich drein. Sie würde doch am Ende nicht mit dem Zahlmeister auf den Ball gehen?! Ungestüm fuhr er von seinem Sitz auf, da sah ihn des Zahlmeisters rotes Gesicht von oben herab an. »Was machen Sie denn noch hier, Gefreiter? Es wird gleich blasen!«

Hucklenbruch stand stramm und sagte: »Jawohl, Herr Zahlmeister!« Aber Wut kochte in ihm.

Draußen erklang das verwünschte: ›Zu Bett, zu Bett!‹ Da schlich er zur Thür und schluckte an den Thränen, die ihm brennend in der Kehle quollen.

*

Wenn die Witwe Conradi gewollt hätte, den Zahlmeister hätte sie kriegen können; nur einmal hätte sie die fleischige Hand mit dem breiten Daumen fester zu drücken brauchen. Aber sie drückte nicht. Die Spatzen pfiffen’s von den Dächern der Kasernenstraße, in den Blocks wurde es bespöttelt: der dicke Zahlmeister stieg Rinkes Fina nach. Nicht bloß Hucklenbruch und Schmidt, nein, manch andrer noch, der in’s Lädchen kam, schnüffelte neugierig, wie weit wohl die Sache gediehen sei.