Aber ein geheimes Grauen überlief sie, und sie wollte es ihm ausreden, daß dies ein Muttergottesbild werden sollte. Wie konnte das ihre Züge tragen?! Sie hatte ja nicht Krone, noch Mantel, noch ein sternbesticktes Gewand; auch Lilien ließ er nicht neben ihr sprießen.

»Dat thut auch nit nötig,« sagte er. »Ich denk’ mir dich hier als die Maria, wie sie noch jlücklich war. Aber kuck ens – hier dat Fältchen zwischen den Augenbrauen – siehste, dat deut’t schon drauf hin, dat se Leid kriegt. – Mutter, du brauchst doch nit als jetzt bang zu werden!«

Unwillkürlich hatte sich ihr Gesicht verfinstert; sie sah ihn an mit einem unruhigen Blick. Er lachte hell auf, und da lachte auch sie wieder.

Sie malten weiter. Ferdinand war mit dem Jüngsten nach Stockkämpchen marschiert – mit dem Fritz konnte man den Invaliden ruhig ziehen lassen, der paßte schon auf, daß der Onkel nicht des Guten zuviel that – niemand störte die Sitzung. Stunden vergingen, sie merkten es nicht; er nicht in seinem Eifer, sie nicht in ihrem Glück.

Sie sprachen nicht. Josefine hielt den Atem an und wagte nicht, sich zu rühren. Unverwandt hing ihr Blick an Peter: wie seine Augen leuchteten! Und auf der hellen Stirn, unter den dichten Haarringeln, perlte ihm der Schweiß vor. Und wenn er dann und wann zurücktrat, um mit prüfendem Blick sein Werk zu betrachten, strahlte sein ganzes Gesicht. Tausend Sonnenfünkchen spielten auf seinem weißen Malerkittel; über die verstaubten Dachsparren tanzten goldene Lichter. Auf den grauen Wänden, auf all dem alten Gerümpel eine Flut von warmem, lebensvollem Sommerglanz.

Als endlich die Dämmerung kam, schlichen sie leise herab von ihrer Bodenkammer. Noch waren sie allein. Sie gingen über das enge Höfchen in das kleine Gärtchen. Beide atmeten tief. Und sie schritten um die kleine Bleiche in der Mitte des Gärtchens, auf die schon der Tau fiel, immer rund herum und Hand in Hand, bis daß es ganz dunkel war und nur am verwitterten Plankenzaun der alte Rosenstrauch mit seinen mattduftenden, hängenden Blüten noch gespenstisch schimmerte.

XXIII

Herr und Frau Schnakenberg waren in Paris gewesen. Sie hatten sich alles mögliche von dort mitgebracht; es war eine förmliche Ausstellung in ihrem Haus auf der Königsallee.

Gleich der Läufer im Flur kam von der Weltausstellung. »Persianisch,« sagte Herr Schnakenberg. Und der Teppich im Salon war aus ›Ka–iro‹. Und in jeder Ecke stand ein Spucknapf, der war aus Kokusnußschalen von der Südsee; das war doch was andres, als die gewöhnlichen ›Quispeldörchen‹!

Den Garten zierten allerlei Gnömchen und Hasen und Rehe aus Porzellan. Der Transport hatte freilich mächtig gekostet, Herr Schnakenberg verriet nicht wieviel.