Starren Auges blickte sie hinüber zur Kaserne – da ging sein Geist noch um. – – – –

Seit Oktober steckte der Peter auch drüben in der Kaserne. Seine Lehrzeit war um gewesen, der Meister Cremer hatte ihm ein halbes Jahr geschenkt. Was hätte er denn Klügeres machen können, als gleich seine Zeit abdienen? Dann war er’s los, und dann würde er die Mutter schon herumkriegen, ihn nach Paris zu lassen – und da würde er ein Künstler werden! Ja, das wußte er jetzt. Denn wenn sie ihm auch sagten: ›Hier streich’ diese Wände an,‹ es würden doch Bilder unter seinem Pinsel entstehen, Bilder, wie er sie in seiner Seele trug, wie er sie mit geschlossenen Augen sah, wie er sie nachts träumte. Er glaubte an seine Zukunft. Und in diesem Glauben erschien ihm das Leben so wunderschön, so strahlend hell, so voll von Farbe.

Der Kommißdienst machte ihm allerdings wenig Spaß, und die Drillerei fand er höchst überflüssig; aber da er einen schlanken Rücken und gerade Beine hatte und keinen so dicken Kopf, wie die westfälischen Jungen, kam er gut durch. Er war wohl anschrieben. Darüber lachte er sich freilich eins; er wußte ganz genau Bescheid über die Verehrer seiner Mutter.

»En janz schneidiger!« sagte Unteroffizier Schmidt oft und klopfte ihm freundschaftlich auf die Schulter.

Der Berliner erschien dem Peter als ein ganz umgänglicher Mensch. Mochte der Hucklenbruch auch auf ihn schimpfen, na, der war eben eifersüchtig! Peter war stolz auf die Triumphe seiner Mutter. Ja, so frisch wie die, war auch keine! All ihre weißen Zähne hatte sie noch, kein graues Fädchen im blonden Haar! Und freuen konnte sie sich, ja, freuen! Als er zum erstenmal in Uniform vor ihr gestanden, da hatte sie mit einem Jubelruf die Hände zusammengeschlagen, und dann war sie ihm um den Hals gefallen und hatte ihn geherzt und geküßt wie einen Schatz.

Josefine empfand eine Freude in ihrem Herzen, wie solche das kaum je bewegt – ihr Junge drüben in der alten Kaserne! Und so beliebt! Sogar der Hauptmann hatte ihn belobt, als er für die Weihnachtsfeier der Mannschaft ein Transparent gemalt, einen nackten Engel mit blauem Lendentüchlein und fliegendem Spruchband:

Gloria in excelsis Deo!

Gab es eine glücklichere Mutter? Morgens belauschte sie das Ausrücken ihres Sohnes, mittags seine Heimkehr von der Heide oder von den Schießständen im Bilker Busch.

*

Der Winter war nun vorbei, heller Frühlingssonnenschein beglänzte die schon gebräunten Gesichter der Füsiliere, der erste grüne Zweig steckte dem Peter am Helm. Hell trällerte Josefines Stimme der Marschmusik nach – Frühling, Frühling! Auch für sie war’s noch einmal Frühling mit ihrem, durch ihren jungen Sohn.