»Schrei nich so!« flüsterte er. Sie hörte nicht, und deutlicher wagte er nicht zu werden, am Nebentisch konnte man ja jedes Wort verstehen. Er saß wie auf Nadeln.
Josefine starrte noch immer mit großen Augen, sie hielt ordentlich den Atem an – da saß neben der Dame des Herrn Hauptmann ein Mädchen, das war so klein wie sie, aber lange, dunkle, gedrehte Locken fielen auf dessen Schultern, und neben dem Mädchen saß einer, ein – ja, nur ein Junge war’s, aber er hatte schon Uniform an! Eine ganze, richtige, wirkliche Uniform! Ihre Blicke waren gebannt.
Hauptmann von Clermont wurde aufmerksam: »He, du Kleine, was giebt’s denn hier zu sehen?«
Sie wurde rot wie eine Rose; krampfhaft das Fingerchen streckend, ganz aufgeregt, ganz glückselig bewundernd, stammelte sie: »Der – och, der da – der kleine Soldat!«
Alles lachte. Herr von Clermont winkte sie zu sich heran; dreist kam sie bis an sein Knie, aber ihre Augen verließen den Jungen nicht.
»Der kleine Soldat da,« sagte der Hauptmann amüsiert, »das ist ein Kadett, verstehst du? Ein Kadett!«
Sie nickte stumm-strahlend.
Der Kadett war auch ganz rot geworden, die großen Blicke des kleinen Mädchens genierten ihn sehr. Er drehte den Kopf weg.
»Feldwebel, hat Er schon gesehn? Mein Sohn!« Der Hauptmann wendete sich zu Rinke. Dieser stand wie vorhin stramm, aber leutselig winkte der Vorgesetzte wieder ab: »Bitte bequem.« Und fuhr dann fort: »Großer Junge, was? Erst elf. Habe ihn schon drei Jahre im Korps in Bensberg, ist in den Ferien hier. Kommt bald nach Potsdam. Ich denke, wird mal einen ganz netten Leutnant Seiner Majestät abgeben; hoffe, wenn’s Glück gut ist, bei Seiner Majestät Garde. Viktor, sitz gerade! Kopf hoch, daß du wächst!«
Der Junge reckte sich. Auch Josefine reckte sich unwillkürlich. Die Blicke beider Kinder begegneten sich. Der Kadett lächelte ein wenig spöttisch, ein wenig von oben herab und zugleich doch geschmeichelt.