»Möchtest du vielleicht mit dem kleinen Mädchen spielen, Cäcilie?« sagte jetzt die Frau Hauptmann zu ihrem Töchterchen, und das blasse, vornehme Gesicht dem blonden Kind zuwendend, fragte sie gütig: »Wie heißt du?«
»Zu Befehl: Josefine!«
Wieder lächelte der Hauptmann, der Kadett aber prustete laut heraus. Da wurde Josefines freier Blick unsicher, es zuckte um ihren Mund; hastig nach der Hand der kleinen Schwarzhaarigen, die sich ihr schüchtern genähert hatte, greifend, riß sie die mit sich fort, weg von den Tischen, hinein in die Wiese.
Die beiden Mädchen, sich an der Hand haltend, liefen rasch immer weiter hinein in das hohe, blumige Gras.
Da stand der Kadett auf, drehte sich erst noch ein wenig in der Nähe der Tische herum, pfiff, schleuderte ein Steinchen, schüttelte an einem Baum, besah seine Stiefel und ging dann langsam, mit gemessenem Schritt, den beiden Kindern nach in die Wiese. –
Von diesem Sonntag an war Josefine zur Gespielin des kleinen Fräulein von Clermont erkoren; der Hauptmann hatte seinem Feldwebel allerhand Freundliches über das frische, blonde Kind gesagt.
Rinke bemühte sich, seiner Frau nicht zu zeigen, wie stolz er auf die Ehre war, die seiner Tochter widerfuhr; die Käthe hatte ja doch gar kein richtiges Verständnis dafür. »Du lieber Jott, wat is dat dann?!« sagte sie. Der Großvater brummte auch. »Wat soll dat Kind da? Mir sin Düsseldorfer Börjer, mir scheren ons en Dreck om de ›Vons‹!« Die Großmutter war ebenfalls wenig erbaut: die Clermonts waren evangelisch, aus Thüringen sollten sie sein, daher, wo man den Luther auf der Burg versteckt gehalten. Die alte Frau war sich über ihre Gefühle nicht ganz klar, aber ihr bangte für ihr Finchen; allerlei Reden führte sie vor dem Kind, die es nicht verstehen konnte, jedoch es fühlte heraus, Großeltern und Mutter freuten sich nicht über die Einladung. Aber der Vater!
Es war ein großer Moment für beide, als Josefine an des Feldwebels Hand nach der Bilkerstraße hüpfte. Dort wohnten die Clermonts. Sie war in ihrem besten Kleid, weiß hingen ihr die Höschen unter dem Röckchen vor bis an die Knöchel. Ihr Herz klopfte vor Erwartung: hatte der kleine Soldat nicht gesagt, er würde vielleicht auch einmal mit ihr spielen? Exerzieren – ach ja, das wollten sie!
Ehe der Vater an der Klingel zog, ermahnte er noch: »Mach mir Ehre, Josefine, und wenn dir auch was gegen den Strich geht, nich gemuckt, hörste?«
»Aber – wenn se mich hauen?« fragte sie und warf trotzig den Kopf zurück.