Drüben lag die Kaserne, mehr erhellt wie sonst je am Abend; in den Bureaux wurde noch gearbeitet, in fieberhafter Thätigkeit rührte es sich da. Krieg, Krieg mit Frankreich – o, wenn der Vater das erlebt hätte! Wie oft hatte er ihr erzählt von den Freiheitskriegen, in denen sich Preußen freigemacht von seiner Schmach. Es war das Märchen ihrer Kindertage gewesen. Und jetzt? Ihr war, als sei sie wieder ein Kind, als müsse sie dem lauschen, begierig lauschen, was wie ein Schwur zum finsteren Nachthimmel aufstieg:

›Lieb’ Vaterland, magst ruhig sein,

Fest steht und treu die Wacht am Rhein!‹

Warum der Peter noch immer nicht kam?! Zum erstenmal hatte es schon Zapfenstreich geblasen. Sie strengte umsonst die Augen an. Endlich hörte sie seinen Schritt.

»Mutter,« sprach er durch das Dunkel, und seine Stimme klang matt, »’n Abend.«

Sie fuhr auf ihn zu, sie hatte ja so nach ihm verlangt. »Krieg – wat sagste derzu? Krieg!«

»Un ich muß mit,« sagte er dumpf.

»Och Jott, ja!«

Das hatte sie ja noch gar nicht recht bedacht. Ein plötzlicher Schreck durchfuhr ihr die Glieder, die Kniee wollten ihr brechen, taumelnd lehnte sie sich gegen die Hauswand.

Er sagte kein Wort, er stand nur immer da im trüben Laternenschein und starrte vor sich hin.