›O Rhein! O Rhein! Nicht Deutschlands Grenze,
Du bist und bleibst ein deutscher Strom!
Ich schaue dich im Freiheitslenze,
Nicht Frankreich unterthan, nicht Rom!‹
XXV
Es war ein Sonntagmorgen, so schön, wie noch keiner in diesem Sommer gewesen. Noch war es nicht heiß, das Windchen, das den Aufgang der Sonne umschauert, kühlte noch sanft die Straßen. Verschlafen zirpten noch die Vögel in den Gärten, alles Grün war noch taubedeckt, aber die Stadt schlief nicht mehr; sie war hell wach im ersten Frühlicht – ihre Söhne zogen heut in’s Feld.
Im Gärtchen der Witwe Conradi hing der weiße Rosenstrauch am Plankenzaun wie von tausend Thränen beschwert. Josefine hatte die Nacht nicht geschlafen, sie war gar nicht zu Bett gegangen. Als besondere Vergünstigung hatte der Feldwebel erlaubt, daß der Peter die letzte Nacht unter’m Dach seiner Mutter schlafen durfte; und er hatte geschlafen, totmüde, erschöpft, und sie hatte an seinem Bett gesessen, die Stunden von Mitternacht bis zum Morgengrauen, und seine Hand gehalten, wie sie es dem Knaben gethan in Krankheitszeiten oder wenn böse Träume ihn gequält. Sie hatte kein Auge von ihm gewandt, und Thränen, von denen sie nichts wußte, waren über ihre Wangen geflossen.
Jetzt stand sie im Gärtchen, blaß und durchschauert, und wartete auf ihren Sohn. Drinnen mühten sich der Onkel und der kleine Bruder noch geschäftig um den Ausrückenden – hier draußen, hier ganz allein, wollte sie Abschied von ihm nehmen.
Jetzt kam er, schon fix und fertig, den Helm hatte er auf, nur den Tornister noch nicht auf dem Rücken. Sie hing sich an seinen Arm.
»Wie is dich?« fragte sie zärtlich.