»Mutter, Mutter, all mein’ Hoffnungen!«
Sie wunderte sich, daß er nicht zärtlicher war.
»Ich kann nit,« seufzte er, »wahrhaftijens Jott, ich kann nit. Weißte, dat Bild, von dem ich dir erzählt hab’, ›Der letzte Tag eines Verurteilten‹? De kümmert sich auch nit mehr um Weib und Kind. So is et mir. Ich muß sterben, ich komm’ nie wieder!«
Sie sagte jetzt nicht mehr: ›du kömmst wieder‹, aber sie reckte sich noch straffer auf in ihrer ganzen stattlichen Größe, und ihr Blick richtete sich zum strahlenden Morgenhimmel.
Es war wie ein stummes Beten.
»Un nu jeh,« sagte sie.
Von der Straße her tönte Lärm in den stillen Garten und erschreckte den tirilierenden Vogel; die ganze Kaserne schien in Alarm geraten, es trommelte und pfiff und blies. Der Hornist lockte zum Sammeln.
»Jeh, jeh,« drängte sie, »’t is Zeit, jeh, jeh!«
Der betaute Rosenbusch streifte schwer und kühl ihren Ärmel, da riß sie hastig die schönste Rose ab.
»Komm her, Peterken! Mein Jung’, laß dich noch ens schmücken!«