Da plötzlich ein Extrablatt, in Riesenlettern war’s angeschlagen – daß die Mauern nicht einfielen, die Bäume nicht umstürzten, die es trugen, dies:

Glänzender aber blutiger Sieg der kronprinzlichen Armee bei Weißenburg.

Und kaum hatte man sich von dem Donnerschlag, der herrlich und furchtbar zugleich die Spannung löste, in etwas erholt, ein zweiter Donner:

Siegreiche Schlacht bei Wörth.

Ein gellender Schrei stieg gen Himmel: Sieg, Sieg! Wer fragte vorerst nach Verlusten? Man las nichts von ›blutig‹, nur Sieg, Sieg! In hellem Jubel stürmte das Volk durch die Straßen; stolze Freudenfeuer, in jedem Herzen, in jedem Auge entzündet, lohten empor: Sieg, Sieg!

Die Zeitungsexpeditionen wurden gestürmt; sie mußten ihre Thüren und Fenster verrammeln. Man wollte mehr wissen, man forderte gierig sein Teil am Geschehenen: Wieviel Franzosen tot? Wieviel gefangen? Wieviel Kanonen erbeutet? Hat der Feind nun genug gekriegt?!

Die Nacht vom sechsten auf den siebenten August wurde ein vielstündiges Freudenfest; wer hätte an schlafen gedacht? Sieg, Sieg – das prickelte wie Champagner. Wer konnte noch bange sein, wenn Freudenschüsse es dröhnten, wenn alle Glocken es sangen: Sieg, Sieg!

›Deutschland, dein Sonnentag erscheint!‹ rief der begeisterte Dichter Rittershaus. Fürwahr, ein Sonnentag schien angebrochen, schon schimmerte der Rhein golden, die Krone, die versunkene, hob sich von seinem Grund strahlend zum Tageslicht.

Zwei große Schlachten gewonnen! Wahrhaftig, der seltsame Mann, der noch immer predigte: ›Maran atha – kommt, der Herr ist nahe! Hört ihr den Donner, er kündet die nahe Wiederkunft des Herrn Herrn!‹ hatte recht – das jüngste Gericht brach an über die Franzosen.

Sieg, Sieg! Josefine wurde mit fortgerissen vom allgemeinen Jubel; auch sie war im Rausch. Ein unbeschreiblicher Enthusiasmus hatte auch sie ergriffen. Mit flatternden Röcken lief sie über die Straße, mit hochgeröteten Wangen und blitzenden Augen; sie konnte es nicht genug hören, es nicht genug selber künden: