»De Fritz? Wat will de?!« Josefine fuhr so hastig empor, daß der Fahnenträger die Augen nach ihr rollte.
»St!« Die Nonne legte ihr die Hand auf die Schulter. »St! Haben Sie schon von Spicheren gehört?«
»Spicheren?« Josefine blickte sie erschreckt an.
»Bei Spicheren ist eine mörderische Schlacht gewesen,« sagte die junge Nonne so sanft, daß ihre Stimme wie ein Hauch das Ohr umschmeichelte. »Aber so einer fällt im Krieg, wird sein Tod ein christlicher Tod sein und die Thür zum ewigen Leben.«
XXVI
Wenn nur die Ungewißheit nicht gewesen wäre! Aber nein, keine Ungewißheit mehr, es war schreckliche Gewißheit. Josefine fühlte es an dem stummen Händedruck, mit dem der Oberstleutnant sie begrüßte, als er ihr auf dem Hof begegnete: er hatte Mitleid mit ihr.
Da waren einige Glückliche, die Nachricht von den Ihren bekommen hatten – sie hatte keine Nachricht von ihrem Sohn.
Nun war der zwölfte August schon herangekommen; wenn Peter noch lebte, hätte er ihr Kunde gethan, das wußte sie ganz genau. So suchte sie ein schwarzes Kleid hervor, sie mochte kein andres tragen. Stumm und starr that sie ihre Pflicht; die Verwundeten folgten ihr mitleidig mit den Blicken, aber wagten nicht, sie zu fragen.
So rastlos war Josefine noch nie umhergegangen, von Block zu Block, treppauf treppab, von Bett zu Bett; ihre Füße waren dick geschwollen durch die Anstrengung, sie merkte es nicht. Die Nonnen baten: »Ruhen Sie doch!« Aber sie schüttelte stumm verneinend den Kopf. Wie konnte sie ruhen?! Wieder von Block zu Block, treppauf treppab, von Bett zu Bett.
Es ging auf den Abend des dreizehnten August, die warme Dämmerung senkte sich bereits auf die Ahornbäume im Kasernenhof; der lag ganz still, nur ein paar Wärter huschten in die Küchen.