Doch jetzt eine laute, klagende Frauenstimme, die bis hinauf zu Josefine drang. Und dann des Oberstleutnants dringendes Zureden:
»Gnädige Frau, hier ist er nicht, ich versichere Sie! Gnädige Frau, beruhigen Sie sich doch! Sie regen sich unnütz auf, er ist nicht hier!«
Zwei ängstliche Mädchenstimmen baten:
»Liebe Mama, hier ist er nicht, du hörst es ja! Mama, komm doch nach Haus, bitte, bitte! Papa wird ja Nachricht schicken! Komm doch, Mama, bitte!«
»Gnädige Frau, wie können Sie nur zweifeln? Wäre er hier, ich müßte es doch wissen!«
»Aber Leute sind doch hier, die mit ihm in der Schlacht waren, Verwundete! Die haben ihn gekannt. Ach, sie müssen ihn ja kennen!« Der laute Klageton wurde noch lauter: »Die will ich fragen!«
»Gnädige Frau, so sehr ich bedaure, der Eintritt ist nicht gestattet – besonders so spät – ich – gnädige Frau bemühen sich vielleicht morgen früh noch einmal –«
»Ich muß sie fragen! Gleich, jetzt!«
Josefine zuckte zusammen – das war Verzweiflung! Jetzt hörte sie auch schon eilende Schritte auf der Treppe – da gab’s kein Zurückhalten – die Thür zum ersten Zimmer wurde aufgerissen, fast stürmte eine schlanke Dame herein. Sie schlug den Schleier zurück, und ihre großen, dunklen, wie Irrlichter flackernden Augen fuhren über die Betten hin. Sie sah Josefine.
»Ist hier mein Sohn, mein Eugen?«