»Die gnädige Frau sucht ihren Sohn. Der Leutnant vom Werth war mit bei Spicheren,« sagte der Oberstleutnant erklärend und blinzelte der Pflegerin zu. »Er ist nicht hier, gnädige Frau – darf ich bitten?« Er bot der Dame den Arm, um sie wegzuführen.

Aber sie beachtete es nicht. Wie auf Flügeln eilte sie immer weiter, die Betten entlang, über jedes Lager beugte sie sich; mit einem Laut jammernder Enttäuschung fuhr sie jedesmal zurück, aber sie eilte weiter, weiter, durch alle Stuben, durch den Krankensaal im Offizierskasino, von Block zu Block, treppauf treppab, von Bett zu Bett.

Den weinenden Töchtern und dem zugleich verwirrt und ärgerlich dreinblickenden Oberstleutnant blieb nichts übrig, als ihr zu folgen.

Auch Josefine folgte, mechanisch, wie hingezogen – die Frau suchte ja ihren Sohn!

Am letzten Bett drehte sich Frau vom Werth um.

»Er ist nicht hier!« schrie sie in einem herzzerreißenden Ton, und dann fiel ihr flackernder Blick auf Josefines schwarzes Kleid.

Auge in Auge sahen sich die beiden Mütter.

»Sie sind in – Trauer?« sagte Frau vom Werth stockend, und im Ausdruck des Entsetzens krampften sich ihre Züge zusammen. »Um – wen?«

»Um meinen Sohn!«

»Um Ihren Sohn?!«