Mit einem Wehlaut fiel die elegante Dame Josefine in die Arme; sie schluchzte herzbrechend:
»Mein Eugen war mit bei Spicheren, wir haben keine Nachricht, mein Mann ist hingereist, er sucht ihn – o, mein Gott, mein Sohn!«
Josefine blieb stumm, aber sie zitterte am ganzen Leib – das war die schöne Frau vom Werth, die reiche Frau vom Werth? Jetzt so arm wie sie! Das war die Cäcilie von Clermont, die einst mit ihr auf der Schulbank gesessen?! Sie suchte und fand keine Ähnlichkeit mehr, alle Schönheit war weggeweint.
»Kennen Sie mich noch?« flüsterte sie traurig. »Ich bin die Josefine Rinke.«
»Rinke – Josefine – Rinke – ah, Fina, Finchen!« Die unglückliche Frau rang die Hände. »Ach Fina, was ist uns geschehen!«
Sie löste sich auf in Thränen. Aber Josefine konnte nicht weinen.
Vergebens hingen sich die Töchter – schöne, schlanke Mädchen – an ihre Mutter. Sie stieß sie von sich: »Mein Eugen, mein Sohn!«
Endlich ließ sich Frau vom Werth von Josefine fortführen; diese leitete sie die Treppe hinunter. Unten im Hof, unter den wispernden Ahornbäumen, unter den Sternen, die blaß heraufzogen, standen sie kummervoll noch wenige Augenblicke zusammen.
»Mein Sohn, mein Eugen!« ächzte Frau vom Werth, als sie, halb ohnmächtig, von ihren Töchtern gestützt, an die wartende Equipage wankte.
Der Oberstleutnant schlug den Schlag zu und wischte sich den Schweiß ab: Gott sei Dank, daß das vorüber! –