»’ne faule Sache,« flüsterte Schmidt bekümmert Josefine zu, die in halb schmerzlicher, halb freudiger Erregung des Wiedersehens an sein Bett geeilt war, und wies mit dem Blick hinüber nach dem Nebenmann. Der lag, wächsern und still, in seinen Kissen, bis auf’s letzte erschöpft vom Transport, vom Betten, Untersuchen und Verbinden.

Das Herz im Leibe drehte sich Josefine um. Wie oft hatte der Hucklenbruch seelenvergnügt in ihrem Lädchen gesessen, und nun mußte er so daliegen!

»Ja, denn man lieber jleich weg,« flüsterte Schmidt. Und dann sah er Josefine ganz seltsam an; seine sonst so kecken Augen wurden feucht und nachdenklich.

»Ich hab’ Ihnen auch noch was zu bestellen, Frau Conradi, ’nen –« er zögerte und strich sich verlegen den Schnurrbart – »’nen Jruß!«

»Von wem?« Warum fragte sie noch? Ach, sie wußte ja von wem! Es konnte nicht anders sein, sie empfand es am wilden, rasenden Schlagen ihres Herzens, jetzt kam etwas, ein Gruß, ein Gruß von – von –! Ihre Kniee brachen, unwillkürlich sank sie am Bett nieder und faltete die Hände krampfhaft: »Och Jott, vom Peter!«

Der Verwundete nickte. Die Botschaft wurde ihm nicht leicht, seine Stimme klang aufgeregt:

»Da – aus meinem Rock, jeben Se mal her – aus der Brusttasche – so, mein Notizbuch. Ich habe nämlich – was Jeschriebenes für Sie – ’nen Zettel – ich habe immer höllisch drauf ufjepaßt.«

Sie konnte das Notizbuch nicht gleich finden, ihre Hände zitterten zu sehr.

Nun kniete sie wieder am Bett, und Schmidt machte umständlich das Büchelchen auf, suchte umständlich darin. Sie hielt den Atem an und riß die Augen auf: was würde sie lesen?! Daß er tot war, daß wußte sie ja – aber wie war er gestorben, wie?!

Dauerte das Suchen denn Stunden lang?! Eine Ohnmacht wollte sie ankommen, ihre Lippen bebten, ihre ganze Gestalt; kein Wörtchen konnte sie lallen. Aber jetzt – jetzt, gleichsam aus weiter Ferne schlug Schmidts Stimme an ihr Ohr: