»Er starb wie ein Held!«

Da seufzte sie tief auf, als sollte der Atem ihre befreite Brust sprengen, und riß gierig den Zettel an sich. Laut schrie sie auf: das war ihr Zettel, ihres Vaters Zettel, den sie dem Sohn in letzter Stunde zugesteckt beim Ausmarsch!

Und er hatte das Vermächtnis angetreten.

Da stand: ›Über alles die Ehre!‹ und darunter gekritzelt, mit Blut:

›Liebe Mutter, adjüs.‹ – – –

»Ehre, wem Ehre jebührt,« sagte Schmidt. »Der Junge war ’n janzer Kerl, bis zum Tode!«

Josefine drückte dankbar die Hand, die ihr den Zettel überbracht, dies Teuerste, was sie von nun an in ihrem Leben hatte.

Viele Tage trug sie das verknitterte, vergilbte, blutbefleckte Papier auf ihrer Brust. Da lag es und gab ihr ungeahnte Kraft; aber dann schloß sie es doch in die Truhe, in ihr Nähkästchen, zu den Andenken ihrer Jugend und Ehe. Jetzt hatte sie den Talisman nicht mehr nötig, sie war ruhig geworden in sich. Nicht mehr von der steinernen Ruhe jener ersten Zeit, nein, Gott sei Dank, sie konnte weinen! Aber in ihre Thränen mischte sich das Gefühl des Stolzes: mein braver Sohn! –

Von ihren Kranken empfing Josefine besondere Zeichen des Vertrauens.

»Schreiben Sie an meine Mutter,« bat mancher Soldat.