»Sie wünschen?«

»Fahnen, Fahnen!«

»Schwarz-weiß?«

»Nein, schwarz-weiß-rot!«

Ein Meer von Schwarz-weiß-rot hatte sich über die Stadt ergossen. Zu jeder Bodenluke, zu jedem Mansardenfenster heraus steckte bald eine lange Stange; und lustig flatternd und sich freudig blähend im frischen Herbstlüftchen, klatschte das schwarz-weiß-rote Tuch gegen das untere Stockwerk. Das klang wie Wellenrauschen, wie Musik einer stürmischen Brandung: Sedan, Sedan!

Überall flaggte und wimpelte es. Der Jägerhof, das Rathaus, die Kaserne, das Theater, die Kirchen, die Schulen, die Thore, die Rheinbrücke, selbst der alte Jan Willem hatten geschmückt. Um alle Dächer rauschte es, durch alle Lüfte sauste es: Sedan, Sedan!

Große Flaggen, kleine Flaggen, schmale Wimpel, breite Wimpel, kostbares Tuch, dünner Nessel, verwaschener Kattun, Papierfähnchen – aber strahlender Sonnenschein lachend über alle, und übermütig dreinharfender Wind: Sedan, Sedan!

Wer freute sich nicht?! Die Verwundeten setzten sich auf in ihren Betten und horchten mit gespanntem Ohr. Der Rhein brauste es, Kanonen donnerten es – wer hätte gedacht, daß die je solchen Jubel künden könnten –: Sedan, Sedan!

Gefangennahme des Kaisers Napoleon.

Kapitulation der Armee Mac Mahons bei Sedan!‹