Da schlich sie hinaus, sie mochte ihn nicht ansprechen, sich gar nicht bemerklich machen – oh ma patrie! – nicht seine schmerzliche Scham belauschen.

Draußen auf der Treppe begegnete ihr Schwester Daria, die atemlos vom andern Block herüberkam:

»Frau Conradi, ach, da sind Sie ja! Mit dem Hucklenbruch geht es wieder so schlimm.«

»Wieder ein Blutsturz?« fragte Josefine erschrocken.

Die Nonne nickte: »Es ist als nach Ihrem Herrn Pastor geschickt. Derweilen betet unsre Mutter Clara mit ihm.«

Auf den Fußspitzen schlich Josefine zu Hucklenbruch herein. Man hatte den Armen schon seit ein paar Tagen ganz allein gebettet, in dem Raum, der einst der Feldwebelwohnung als Küche zugehört. Jedes Geräusch hatte dem Leidenden Pein gemacht. Aber jetzt standen die Fenster nach dem Hof weit offen, die schöne Nachmittagssonne flutete voll herein und die Musik und das Singen – der Sterbende wurde all dessen nicht mehr gewahr.

»Höher – höher!« hauchte er nur noch mit verlöschender Kraft.

Kissen auf Kissen stopften sie ihm hinter den Rücken; noch immer nicht hoch genug, noch immer keine Luft.

»Höher – höher!«

Da setzte sich Josefine auf den Bettrand und nahm den nach Atem Ringenden stützend in ihren Arm.